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Was sind die kritischen Punkte am Energiekonzept der Bundesregierung?
Veröffentlicht: 01. Februar 2011.

Was sind die kritischen Punkte am Energiekonzept der Bundesregierung?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
Video (3:44 Min)
 
Prof. Voß
Prof. Dr.-Ing. A. Voß
Video (2:33 Min)
Prof. Voß
Dr. Joachim Pfeiffer,
Wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion
Video (2:17 Min)
Wolf
Wolfgang Wolf,
Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied des
Landesverbands der
Baden-Württembergischen
Industrie e. V.
Video (1:49 Min)
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Das im September 2010 von der Bundesregierung vorgelegte Energiekonzept wurde am 16. Nov. 2010 in einem Debattenabend der Stiftung Energie und Klimaschutz Baden-Württemberg von Vertretern der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik diskutiert; dabei wurde deutlich, dass die Kritik in Politik und Fachwelt äußerst unterschiedlich ausfällt.

Der wirtschaftspoltische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Dr. Joachim Pfeiffer, der an dem Konzept mitgewirkt hatte, betonte, dass seit fast 20 Jahren eine Bundesregierung überhaupt wieder ein Energiekonzept vorgelegt habe. Erstmalig werden sehr ambitionierte Ziele festgelegt, was den Klimaschutz, die Energieeinsparung und die Erneuerbaren Energien anbelangt.

Die grundsätzlichste Kritik kam von Prof. Alfred Voß, Leiter des Instituts für Energiewirtschaft und rationelle Energieverwendung an der Universität Stuttgart. Er hält es für falsch, dass das Konzept den Energiemix für 2050 explizit festzulegen versucht. Senator e.h. Wolfgang Wolf vom Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie bedauerte, dass das Konzept nicht mehr das über lange Zeit erfolgreiche Prinzip eines ausgewogenen Energie-Mixes verfolge. Die Priorität für der Klimaschutz sei zu absolut, die künftige Energieversorgung müsse auch weiterhin sicher und kostengünstig sein.

Prof. Voß stellte auch in Frage, ob das Ziel eines 80-prozentigen Anteils der Erneuerbaren Energien, also Energiequellen mit stark schwankender Verfügbarkeit, an der Stromversorgung technisch realisierbar sei. Bisher seien Untersuchungen zu einem Anteil von bis zu 50 % durchgeführt worden. Wolfgang Wolf wies auch auf den notwendigen Ausbau der Netze hin, ohne den die von den Windenergieanlagen in Nord- und Ostsee erzeugte Strom nicht zu den Bedarfszentren im Süden der Republik gelangen könne. Auf die Frage, warum sich die Bundesregierung für ein solches Szenario mit extrem hohem Anteil der Erneuerbaren Energien entschieden habe, verwies MdB Pfeiffer auf die politische Diskussion in Deutschland. Sie mache es unmöglich, neue Kernkraftwerke zu errichten, Kohle sei unter Klimagesichtspunkten ungünstig; die Förderung deutscher Steinkohle ginge ohnehin in absehbarer Zeit zu Ende; Braunkohle sei in Deutschland zwar vorhanden und wettbewerbsfähig, im Interesse des Klimaschutzes aber besonders ungünstig. So bliebe letztlich nur die Alternative, auf die Erneuerbaren Energien zu setzen.

Kritisch diskutiert wurde auch der für die Stromversorgung vorgesehene Importanteil von 25 – 30 %. MdB Pfeiffer hält den deutschen Energiemarkt für ausreichend attraktiv für unsere Nachbarländer. Dr. Zimmer, Generalbevollmächtigter Technik der EnBW betonte, dass für ein solches Szenario mit hohen Stromimporten nicht nur das deutsche Netz ausgebaut sondern auch entsprechende Kuppelstellen mit dem Ausland geschaffen werden müssten. Auch Wolfgang Wolf lehnt eine hohe Importabhängigkeit der deutschen Wirtschaft beim Strom wegen zu großer Abhängigkeit von ausländischen Erzeugern ab.

Der zentrale, lange Zeit nahezu der einzige Kritikpunkt in der Öffentlichkeit war die Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerk. Die unter Rot-Grün willkürlich festgelegte Gesamtstrommenge von rund 5.435 TWh, was in etwa einer Produktionsmenge aller deutschen Kernkraftwerke bei einer Betriebsdauer von 32 Jahren entspricht, wird laut Pfeiffer jetzt aus volkswirtschaftlichen, energie- und klimapolitischen sowie fiskalischen Gründen maßvoll um rund ein Drittel (1.804,287 TWh) erhöht. Der Autor erwähnte als wichtigsten Grund den Zeitgewinn bis zu einem neuen international verbindlichen Klimaschutzabkommen, das in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Denn solange die wesentlichen Konkurrenten Deutschlands auf den Weltmärkten nicht ähnliche Anstrengungen zu einer klimaverträglichen Energiepolitik unternehmen müssen, wäre die mit dem starken Ausbau der regenerativen Energiequellen verbundene Erhöhung des Energiepreisniveau mit erheblichen negativen Konsequenzen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft verbunden. Den in der Öffentlichkeit oft geweckten Eindruck, die Laufzeitverlängerung sei ein „Geschenk“ für die großen Energieversorgungsunternehmen in Deutschland, rückte Dr. Zimmer zurecht. Im Falle der EnBW mit ihrem hohen Anteil an Nuklearstrom seien die Folgen der Brennelementesteuer gravierend. Über 50 % der unterstellten möglichen Zusatzerträge aus dem Betrieb der Kernkraftwerke müssten an den Bund abgeführt werden. Hinzu kämen noch erhebliche Vorauszahlungen in den Fonds zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Aufwendungen für die Aufrechterhaltung eine hohen Sicherheitsniveaus der Anlagen.

Insgesamt entstand der Eindruck, dass die Bundesregierung aus politischen Gründen bewusst ein Energiekonzept vorgelegt hat, das bei den politisch beliebten Erneuerbaren Energien jedenfalls bis 2050 extreme, wahrscheinlich unrealistisch hohe Ziele formuliert.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung (pdf, 145 kB) entnehmen.

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, 383 kB). Dieser Text wurde am 01. Februar 2011 veröffentlicht.

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Siehe auch

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