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 Veröffentlicht: 23. Mai 2002; Aktualisiert 2010

Widerspricht die Nutzung der Kernkraft dem biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung?

Von Herman HenssenDr. Henssen

Kurzfassung

Viele Christen, die gegen die Nutzung der Kernenergie protestieren, begründen dies mit dem göttlichen Gebot, die Schöpfung zu bewahren, und berufen sich dabei auf kirchliche Stellungnahmen. In einer Reihe solcher Verlautbarungen wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Schlußfolgerung aus dem biblischen Auftrag nicht von allen Christen geteilt wird. Für ein eigenes Urteil muss man genauer hinschauen.

Zunächst ist zu klären, was unter „Schöpfung” und „die Schöpfung bewahren” in diesem Zusammenhang zu verstehen ist. Geht es um die außermenschliche Natur, deren Bestand zu wahren ist?  Der örtliche Bestand an Tieren und Pflanzen hat sich jedoch als sehr resistent gegen erhöhte Strahlenbelastung erwiesen. Bei den Argumenten gegen die Kernenergie geht es denn auch vor allem um die Gefährdung von Menschen. Die Schöpfung ist auch als lebensnotwendige Umwelt von Menschen durch die Nutzung der Kernenergie einschließlich der Endlagerung ihrer Abfälle nicht in ihrem Bestand gefährdet. Die Schwere der tatsächlich möglichen Schädigungen liegt im Rahmen dessen, was Natur und Mensch seit jeher haben ertragen müssen. Das enthebt nicht der Pflicht, alles uns Mögliche zu tun, um Schäden von Mensch und Natur fernzuhalten. Der Ausdruck „Bewahrung der Schöpfung” erscheint dafür jedoch kaum angemessen.

Wenn der Protest gegen die Kernenergie mit dem Gebot der „Bewahrung der Schöpfung” begründet wird, hat das eine besondere Geschichte: Viele Christen, die für einen Ausstieg aus der Kernenergie eintreten, verstehen ihr Engagement als Teil des konziliaren Prozesses der Kirchen für „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung” und ordnen den verantwortungsvollen Umgang mit Energie dem dritten Ziel, „Bewahrung der Schöpfung”, zu. Den biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, verstehen sie als Gebot, die Mittel der Natur behutsam zu nutzen, um damit Leben zu fördern und nicht zu zerstören. Dem können auch Befürworter der Kernenergie zustimmen.

Wenn daraus jedoch konkrete Schlußfolgerungen für den Umgang mit Energieressourcen gezogen werden, darf man nicht nur auf die Risiken der Kernenergie sehen, sondern muss auch ihr Potenzial beachten, das Ziel „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung” in seiner Gesamtheit zu fördern. Letztlich müssen die Risiken der Kernenergie abgewogen werden gegen die Risiken realer Alternativen zu ihrer weiteren Nutzung. Bei alledem müssen die Grenzen unserer Möglichkeiten gesehen werden, in denen wir nur das relativ Bessere verwirklichen oder das relativ Schlechtere verhindern können. Unter Abwägen aller Folgen kommen viele Christen zu dem Schluss, dass die weitere Nutzung der Kernkraft auf hohem Sicherheitsniveau ethisch zu verantworten – ja sogar geboten – ist und von ihnen als im Einklang mit dem biblischen Gestaltungsauftrag verstanden werden kann.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.


Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 60 kB). Dieser Beitrag wurde am 23. Mai 2002 veröffentlicht.

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