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Welche Bedeutung hat die Wasserkraft für Deutschland?

Von Eberhard Wagner
(
Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, )

KurzfassungWagner

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden Wasserkräfte zunehmend zur Elektrizitätsversorgung eingesetzt. Die Vorteile gegenüber den damaligen (noch kleinen) Wärmekraftwerken waren handgreiflich: Keine Kohlentransporte, hohe Betriebssicherheit, Versorgungssicherheit. Trotz hohen Kapitalbedarfs zum Bau waren die Kraftwerke durch sehr lange Lebensdauern konkurrenzfähig. Das älteste größere und noch heute in Betrieb befindliche Wasserkraftwerk Rheinfelden mit einer maximalen Generator-Leistung von 26 Megawatt (MW, 1 MW = 1.000 Kilowatt - kW) liefert seit 1898 Strom (zum Teil mit Anlagen der Erstausstattung!).

Im Vergleich zu manchen seiner Nachbarn verfügt Deutschland nur über wenige große Flüsse und hat relativ flache Geländeformen. Das nutzbare Wasserkraftpotenzial beträgt etwa 27 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr (1 Mrd. kWh/a = 1 TWh/a). Derzeit werden in einem sog. Wasserkraft-Regeljahr (Mittelwert errechnet aus der Stromerzeugung aufgrund des Regen- und Schneefalls in vielen Jahren) etwa 19 TWh/a erzeugt. Das entspricht etwa 4 % der gesamten Stromerzeugung. Die Ausschöpfung des noch ausbauwürdigen Potentials von etwa 8 TWh/a wäre durch Neubauten weniger großer Kraftwerke mit Einzelleistungen von deutlich mehr als 5 MW und entsprechende Erweiterungen vorhandener Anlagen möglich. Die Nutzung noch vorhandener kleiner Einzelpotenziale (Anlagen mit meist deutlich weniger als 1 MW) würde allenfalls noch 0,3 TWh/a möglich machen.

Zwar stellt die Politik einerseits die Nutzung regenerativer Energien und damit auch die Wasserkraftnutzung in den großen Rahmen der Ressourcenschonung und des Umweltschutzes, doch andererseits belastet und behindern die europäische und deutsche Politik und Gesetzgebung die Nutzung von Wasserkräften in zunehmendem Maße. Der Betrieb bestehender Anlagen unterliegt ständig zunehmenden Restriktionen. Ein Neubau ist kaum noch möglich. Auch Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensdauer bei bestehenden Anlagen sind in Frage gestellt. Hierzu tragen neben dem Wasserrecht besonders die EU-Wasserrahmen-Richtlinie (2000) sowie Regelungen des Natur- und Landschaftsschutzrechts bei. Auch die Einführung von Wettbewerb auf dem europäischen Strommarkt mit der Folge stark gesunkener Großhandelspreise, d. h. Stromabgabepreis ab Kraftwerk, und die inkonsequente Förderung erneuerbarer Energien durch den Ausschluss der „großen“ Wasserkraft wirken restriktiv. Es ist deshalb eher von einer Stagnation, und wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, sogar von einem Rückgang der Nutzung der Wasserkräfte auszugehen.

Die Wasserkräfte können mit sehr verschiedenen Maschinen- und Anlagentechniken genutzt werden. Zu unterscheiden sind: Laufwasser-, Speicherwasser- und Pumpspeicher-Kraftwerke (PSW). Die oben genannten Werte der Stromerzeugung beziehen sich auf die Nutzung natürlicher Wasserkräfte. Die Stromerzeugung aus sog. Pumpwasser in PSW bleibt unberücksichtigt. Wasser ist in diesem Zusammenhang „nur“ als Speichermedium für Energie anzusehen. Zu den besonderen Eigenschaften der PSW siehe: Inwiefern haben Pumpspeicher-Kraftwerke eine Bedeutung für die Sicherheit der Stromversorgung?.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, rd. 36 kB). Dieser Beitrag wurde am 21. November 2003 veröffentlicht.

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