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Veröffentlicht: 1. Juni 2001; Aktualisiert: Februar 2010

Ist ein Reaktorunfall wie in Tschernobyl auch in Deutschland möglich?

Dipl.-Ing. Karlheinz OrthVon Karlheinz Orth
(
Karlheinz.Orth@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Antwort: Nein!

In der Nacht vom 25. zum 26. April 1986 ereignete sich im Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl (in der Nähe von Kiew in der Ukraine) ein schwerer Unfall. Zum Zeitpunkt des Unfalls wurde nicht wie normal Strom erzeugt, sondern ein Experiment vorbereitet. Dies geschah in völlig ungenügender Weise. Die Betriebsmannschaft war an der Versuchsvorbereitung kaum beteiligt und insgesamt unzureichend informiert. Wichtige Sicherheitsvorschriften wurden missachtet. Es kam zu Betriebszuständen, die nach den Vorschriften nicht zulässig waren. (Zu vergleichen ist das etwa mit einem Hubschrauber, dessen Rotor man viel schneller drehen lässt, als die Rotorblätter aushalten mit der Folge, dass diese durch die Fliehkraft weggerissen werden und der Hubschrauber abstürzt.) Zudem wurden Abschalteinrichtungen funktionsunfähig gemacht (zu vergleichen etwa mit dem Zerschneiden der Bremsschläuche eines Autos in voller Fahrt).

Der in Tschernobyl eingesetzte Reaktortyp hat konstruktionsbedingt gravierende technische Mängel. Nur deshalb konnten sich die Verstöße gegen die Betriebsvorschriften so katastrophal auswirken. Die wichtigsten Konstruktionsmängel des Tschernobyl-Reaktors sind:

  • Er hat nicht die Eigenschaft der Selbst-Stabilisierung (Diese würde beim Hubschrauber bedeuten: Wenn der Rotor beginnt, sich zu schnell zu drehen, wird er von selbst wieder langsamer)
  • Daher sind ungewollte Leistungssteigerungen möglich. Eine solche "Leistungsexkursionä geschah zum Zeitpunkt des Unfalls.
  • Unzulässige Betriebszustände werden nicht automatisch verhindert (Beim Hubschrauber würde eine solche automatische Blockierung bedeuten, dass der Rotor nicht schneller drehen kann, als die Rotorblätter aushalten),
  • Das Abschaltsystem ist nicht effektiv genug (wie ein Rennwagen mit veralteten Seilzug-Bremsen),
  • Der Reaktor hat keine druckfeste Sicherheitsumschließung ("Containment", d. h. etwa eine Stahlkugel mit einer meterdicken Betonhülle darum).

Deutsche Reaktoren weisen alle diese Mängel nicht auf (ganz abgesehen davon, dass ein Experiment in der beschriebenen grob fahrlässigen Weise nicht hätte durchgeführt werden können). Ein Reaktor des Tschernobyl-Typs wäre in Deutschland niemals genehmigt, gebaut und betrieben worden. Aufgrund der Reaktorauslegung kann sich ein solcher Unfall hierzulande aus physikalisch-technischen Gründen nicht ereignen.

Ein Reaktorunfall wie in Tschernobyl ist in Deutschland nicht möglich!

Näheres ist der Langfassung (pdf, 70 kB) zu entnehmen. Dieser Artikel wurde am 1. Juni 2001 veröffentlicht und im Februar 2010 aktualisiert.

Die in dieser Antwort enthaltenen Daten, Fakten und Schlußfolgerungen werden gestützt durch die mittlerweile veröffentlichte Studie der United Nations: Tschernobyl: das wirkliche Ausmass des Unfalls (pdf, 125 kB)

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