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Welche Nutzen stiften Talsperren mit Staudämmen, und welchen Vorbehalten begegnen sie ?

Von Jürgen Giesecke
(
Juergen.Giesecke@energie-fakten.de)Giesecke

Kurzfassung

Seit über vier Jahrtausenden sichert sich der Mensch mit der Bewirtschaftung von Wasser-vorkommen wesentliche Lebensgrundlagen. Die Speicherung großer Wassermengen mittels Talsperren nahm ihren Anfang in den alten Kulturen des Mittelmeerraumes und setzte sich kontinuierlich bis in die Neuzeit fort. Weltweit sind es heute ca. 46.000 Talsperren mit mindestens 15 m Bauwerkshöhe von Erddämmen und Mauern. Von den 6,0 Mrd. Menschen im Jahr 2002, die seither um 80 Mio. jährlich zunehmen, sind allein 20 % einer Wasser-knappheit ausgesetzt. Etwa ein Drittel leiden unter fehlenden sanitären Einrichtungen.

Allein 70 % der global errichteten großen Talsperren dienen der landwirtschaftlichen Bewässerung zur Sicherstellung der Ernährung. Weitere wichtige Nutzungsziele sind die Bereitstellung von Trinkwasser für die Bevölkerung, von Brauchwasser für Gewerbe und Industrie, von Kühlwasser für Wärmekraftwerke, ferner sind es die Abflusssteuerung zum Hochwasserschutz und die Wasserkraftgewinnung zur elektrischen Stromversorgung im Kontext der effektivsten Nutzung sich ständig erneuernder Energie.

Talsperren verändern durch den Wasserrückhalt und durch bedarfsweise gesteuerte Abflüsse die ursprünglichen natürlichen Lebensbedingungen für die Tier- und Pflanzenwelt wie auch die Lebensräume der ansässigen Bevölkerung, vor allem durch die Umsiedlung, die Aufgabe der altgewohnten Anbau-, Wohn- und Siedlungsgebiete, der Verkehrswege sowie der Kultur- und religiösen Stätten wie auch durch die Zerstörung der Umwelt in den künftigen Stau-räumen. Geschiebetrieb und Ablagerungen von oft nährstoffreichen Sedimenten führen nicht nur zur Verlandung der Speicherbecken sondern auch zum Entzug natürlicher Ablagerungen und Düngung im Unterlauf von Flussstrecken, die überdies jahreszeitlicher dynamischer Abflüsse mit Wechselzonen von Überschwemmungen und Trockenlegung der Fluss-niederungen entbehren. Ebenso verändern sich je nach Beschaffenheit von Untergrund und Bodenschichten die Grundwasserverhältnisse. Änderungen des Kleinklimas im Umfeld künstlich geschaffener großer Stauflächen wirken sich besonders in tropischen Ländern aufgrund der erhöhten Wasserverdunstung aus wie auch die Entstehung lebensbedrohender Krankheitsherde bevorzugt bei Stillwasserzonen von Talsperren. Gleichfalls können Sicher-heitsrisiken nicht übersehen werden, die sich aus dem Aufstau großer Wassermengen und aus möglichen Einstürzen von Sperrbauwerken ergeben.

Talsperren haben erwiesenermaßen je nach Typ und Vorsorgemaßnahmen Lebensdauern von weit über 100 Jahren. Sie stellen ein hohes Gut zur Sicherung der Lebensgrundlagen für die ansässige Bevölkerung dar und sind zum unentbehrlichen Bestandteil der vom Menschen geprägten Kulturlandschaften geworden. Jedoch bedarf es sorgfältiger Gegen- und Vorsorge-maßnahmen, um die Beeinträchtigung der Ökologie, der Landschaftsästhetik, der ursprüng-lichen Lebensräume von Menschen, Pflanzen und Tierwelt zu minimieren und die Risiken gering zu halten.

Hierfür sind insbesondere in den letzten drei Jahrzehnten durch weltweit agierende Fachver-einigungen umfangreiche Richtlinien, Handlungsanweisungen, Gesetzesvorgaben und Aus-bildungs- bzw. Schulungsangebote aufgestellt worden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachleute aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften ist heute bei Talsperren, nicht zuletzt auch solchen mit umfangreicher Wasserkraftnutzung, ebenso selbstverständlich wie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung in breiten Bevölkerungskreisen.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, 48 kB). Dieser Beitrag wurde am 26. April 2006 veröffentlicht.

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