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 Veröffentlicht: 14. November 2002; Aktualisiert 2010

Was sind Energieszenarien, was können sie leisten?

Von Herman HenssenDr. Henssen

Kurzfassung

Energieszenarien spielen in der Energiepolitik und der öffentlichen Energiedebatte eine wichtige Rolle. Man braucht sie einerseits um gangbare Wege zu finden und andererseits um eigene Entscheidungen zu begründen. Energieszenarien sind  zahlenmäßig durchgerechnete Entwürfe zukünftiger Energieversorgung. Sie gelten für ein Land, eine größere Wirtschaftsregion (z. B. EU), oder die ganze Welt. Betrachtet wird dabei typischerweise ein Zeitraum von 10 bis 50 Jahren, jeweils von der Gegenwart an gerechnet. Sie sollen Bedingungen aufzeigen, unter denen sich bestimmte Möglichkeiten eröffnen, um erwünschte Ziele anzustreben oder unerwünschte Folgen zu vermeiden. Meist werden dazu mehrere ganz unterschiedliche Szenarien nebeneinander gestellt und miteinander verglichen. Szenarien beschreiben aber immer nur eine eng begrenzte Auswahl aller denkbaren zukünftigen Entwicklungen der Energieversorgung.

Energieszenarien sind von Energieprognosen zu unterscheiden. Prognosen beschreiben - so gut man es kann - die wahrscheinliche zukünftige Entwicklung der Energieversorgung. Sie helfen der Politik vor allem, auf uns zu kommende Probleme frühzeitig zu erkennen; für die Energiewirtschaft sind sie eine unverzichtbare Planungsgrundlage insbesondere für größere Investitionsentscheidungen. Da es schwierig ist, weit in die Zukunft hinein belastbare Voraussagen zu machen, beschränken sich Prognosen in der Regel auf einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren und sind auch dann noch mit Unsicherheiten behaftet. Energieszenarien dagegen greifen weiter in die Zukunft und lassen bewußt größere Veränderungen zu. Prognosen werden gemacht, um auf eine zu erwartende Entwicklung reagieren zu können, Szenarien, um die Entwicklung gezielt zu beeinflussen.

Für die einzelnen Szenarien werden in der Regel bestimmte Vorgaben gemacht, z.B. angestrebte Reduktionen der CO2-Emission oder der zeitliche Verlauf des nuklearen Anteils an der Energieversorgung. Daneben muss eine Reihe von Annahmen getroffen werden, wie solche für das zukünftige Wirtschaftswachstum oder die Ölpreisentwicklung. Ein Szenario soll dann Voraussetzungen aufzeigen, unter denen seine Vorgaben erfüllt werden können, und sagen welche - ggf. unerwünschten – Nebenfolgen dabei eintreten. Dabei gibt es zum Teil große Unsicherheiten. Diese brauchen uns jedoch nicht zu „hindern, die weiterreichende Zukunft ins Kalkül zu ziehen. Denn man muss nicht heute schon alles für die Zukunft festlegen. Es geht vielmehr darum, aus den Langfristüberlegungen so viel zu lernen, dass man heute – robuste – Entscheidungen treffen kann. Das heißt Entscheidungen, die den nachkommenden Generationen in gerechter Abwägung der Interessen die Möglichkeit lassen oder eröffnen, ihre Lebensumstände nach ihren Anforderungen und Wünschen einzurichten.” (Zitat aus „Langfristige Aspekte der Energieversorgung”, Forum für Zukunftsenergien 1997). Wegen ihrer Abhängigkeit von unsicheren Annahmen stellen Szenarien nicht Optionen dar, die man nur zu wählen braucht, um sicher an ein vorgegebenes Ziel zu kommen. Szenarien sind vielmehr wertvolle Hilfsmittel, um Entscheidungen und Strategien zu finden, die im oben genannten Sinne – robust – sind und die flexibel auf unterschiedliche Entwicklungsverläufe reagieren können.

 

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.


Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 35 kB). Dieser Beitrag wurde am 14. November 2002 veröffentlicht.

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