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Veröffentlicht: 26. Juni 2008; Review: 25. Februar 2010

Ist in Deutschland mit einer sogenannten Stromlücke zu rechnen?

Von Eberhard Wagner
(
Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, )

Dieser Text wurde nach dem Review in aktualisierter Form veröffentlicht. Den neuen Text finden Sie in überarbeiteter und erwetererter Fassung unter: Ist in Deutschland mit einer sogenannten Stromlücke zu rechnen? (Stand 2010).

KurzfassungWagner

In jüngster Zeit wird das Thema einer möglichen unzureichenden Stromversorgung kontrovers diskutiert. Sie könnte als Folge des Verzichts auf die Nutzung der Kernenergie, der zunehmenden Blockaden bei der Errichtung von konventionellen Kohlekraftwerken und der Ausweitung der Nutzung erneuerbarer Energien – mit hohem Anteil sog. nicht gesicherter Leistung – eintreten. Derzeit gibt es dazu zwei Studien: Umweltbundesamt (UBA), Deutsche Energie-Agentur (Dena). Diese kommen zu unterschiedlichen Beurteilungen. Eine Studie des Öko-Instituts gibt dazu indirekt Hinweise. Die Bundesregierung selbst verneint eine Gefährdung der Stromversorgung.

Zunächst muss man sich darüber Klarheit verschaffen, wie sich eine Gefährdung der Stromversorgung und eben das Auftreten einer „Stromlücke“ ergeben können.

Im engen Sinne der Frage sind die Auswirkungen möglicher  momentaner und regional auftretender Abweichungen der Netz-Frequenz vom Sollwert 50 Hertz (Hz) zu beachten. Diese treten auf, wenn sich deutliche Abweichungen zwischen Stromverbrauch zu einem bestimmten Zeitpunkt und verfügbarer Kraftwerksleistung ergeben. Hier zeigt sich das grundsätzliche Problem der sicheren Versorgung mit Elektrizität. Denn in jedem Moment muss die Gleichheit zwischen Strom-Nachfrage der Verbraucher („Bedarf“) und Strom- Angebot (Erzeugung plus Stromimport bzw. minus Stromexport) gegeben sein.

Liegt der Frequenzwert über 50 Hz, muss die Kraftwerksleistung vermindert werden. Diese Situation ist weniger problematisch.

Fällt die Frequenz dagegen unter 50 Hz, liegt ein Mangel an Kraftwerksleistung vor. Kann dieser Mangel nicht schnell ausgeglichen werden, z. B. durch schnell verfügbare Kraftwerksleistung (typisch aus Pumpspeicher-Kraftwerken) oder ist aufgrund von Engpässen im Netz eine Zuführung von Leistung aus anderen Regionen nicht schnell möglich, besteht die Gefahr, dass generell Last „abgeworfen“ werden muss; also einzelne Großverbraucher oder ganze Gebiete abgeschaltet werden müssen. In der Folge kann sich aus einem lokal begrenzten Lastmangelgebiet eine (auch europaweite) Großstörung entwickeln, gleichsam als Ergebnis einer Kettenreaktion. Beispiele sind die Störungen vor Jahren im Nordosten der USA, die Störung bei der Strom-Übertragung aus der Schweiz nach Italien und auch die große Störung, die durch das Abschalten einer Leitung über die Ems anlässlich einer Schiffsüberführung eingetreten war.

Es sind demnach zwei Aspekte zu werten:

  • Die zukünftige Entwicklung der gesamten Kraftwerksleistung (Kraftwerkspark), dabei vorrangig die Verfügbarkeit sog. gesicherter Leistung und
  • gleichermaßen die Verfügbarkeit leistungsfähiger Stromnetze.

Die Studie des UBA erkennt keine negativen Auswirkungen eines Verzichts auf Kraftwerksleistungen, sowohl der Kernkraftwerke als auch der neuen Kohlekraftwerke. Den Ausgleich sollen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK), erdgasbefeuerte Kraftwerke, der starke Zubau von Regenerativ-Anlagen und deutliche Einsparungen beim Stromverbrauch schaffen.

Die Studie der Dena belegt sowohl einen sich abzeichnenden Kraftwerksmangel als auch Defizite im Netz. Die Ansätze zum Neubau von Kraftwerken (KWK und Regenerativ-Anlagen) und auch in einer Variante „Verminderung des Stromverbrauchs“ ähneln denen der UBA-Studie. Es wird allerdings eine grundsätzliche Gefährdung der Strom-Versorgung abgeleitet.

Wenn – wie aus beiden Studien direkt oder indirekt entnommen werden kann – ein grundlegender Wandel der Struktur des  Kraftwerksparks (hin zu Kraftwerken mit „nicht gesicherter Leistung“) mittelfristig eintreten würde, ist sehr wohl von einer Gefährdung der Stromversorgung im Sinne einer Stromlücke auszugehen. Der Dena-Studie ist dann eine realitätsnähere Analyse zu attestieren.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 60 kB). Dieser Beitrag wurde am 26. Juni 2008 veröffentlicht und am 25. Februar 2010 durch einen Review bestätigt.

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