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Wie funktioniert die deutsche Strombörse?

Von Helmut Alt
(Helmut.Alt@energie-fakten.de)

KurzfassungAlt

Die European Energy Exchange AG (EEX) ist eine öffentlich-rechtliche Börse mit Sitz in Leipzig. Sie ist Träger der Energiebörse European Energy Exchange.

An der EEX werden Strom, Gas und andere Energieträger sowie CO2-Zertifikate gehandelt. Diese Palette wird um börsennahe Dienstleistungen wie z. B. das Clearing außerbörslicher Geschäfte (OTC-Clearing) ergänzt. Am Auktionsmarkt der EEX (Spotmarkt) gibt es die Möglichkeit, Kauf- und Verkaufsgebote für Einzelstunden und Blockgebote für Blöcke auf Grundlast und Spitzenlast zu platzieren. Der an diesem Markt ermittelte Gleichgewichtspreis ist ein Marktpreis, der im Wege der zweiseitigen Auktion sowohl von Anbietern als auch von Verbrauchern bestimmt wird. Das zweite Standbein ist der Terminmarkt, auf dem standardisierte Produkte wie Futures gehandelt werden. Am Terminmarkt werden Monats-, Quartals- und Jahresfutures mit dem Phelix® (Physical Electricity Index) als Basispreis angeboten. Durch diese Kombination von Spotund Terminmarkt ist eine vollständige Risikoabsicherung möglich.

Beim Spothandel werden Strommengen für den nächsten Tag gehandelt. Der Handel wird primär über das Internet abgewickelt. Computer ermitteln aus den eingehenden Geboten und Angeboten den aktuellen Preis je Megawattstunde.

Systematik der Börsenstrompreisbildung an der EEX European Energy Exchange in Leipzig

In einem Stromhandel-Auftragsbuch werden alle für den Handelszeitpunkt eingegangenen Kauf- und Verkaufsangebote aufgenommen. Angebote werden gemäß dem „Meistausführungsprinzip“ nach steigenden Preisen aufgelistet und der Preis mit der größtmöglichen Umsatzmenge und dem geringsten Überhang nicht erledigter Optionen ermittelt. Dies ist der Clearingpreis mit dem die Geschäfte abgewickelt werden.

Die einzelnen Kraftwerksbetreiber geben für Ihre Angebote gemäß den Grenzkosten plus einer kalkulierten Gewinnmarge der einzelnen Erzeugungseinheiten an. Diese Grenzkosten sind im wesentlichen durch die Kosten der eingesetzten Primärenergie bestimmt. Für die regenerativen Energien Wasser, Wind und Sonne sind die Primärenergiekosten Null. Die Erzeugungsmengen der dem EEG unterliegenden regenerativen Energien Kleinwasserkraft, Wind und Sonne besteht eine gesetzliche Abnahmeverpflichtung, diese sind also vorrangig einzustellen. Die Angebote der Erzeugungsmengen werden sodann nach steigenden Grenzkosten sortiert an der Börse im Stromhandels-Auftragsbuch eingestellt. Dadurch ergibt sich eine treppenförmig ansteigende Angebotskurve. Hinzu kommen die Kosten für die ebenfalls wertmäßig an der Börse gehandelten CO2-Zertifikate für die einzelnen Erzeugungsarten mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas, Erdöl, Steinkohle und Braunkohle. Dadurch verschiebt sich die Angebotskurve nach links zu höheren Stromkosten hin.

Je nach der Nachfragesituation ergibt sich ein Schnittpunkt mit der sehr steilen Nachfragekurve, da die Abnahme in weiten Bereichen nahezu vom Strompreis unabhängig ist. Nur bei bestimmten industriellen Abnahmen ist die Abnahmeelastizität groß, da dort nur bei auskömmlichen Stromkosten ein marktgerechter Produktpreis erzielt werden kann.

Die Strompreise bilden sich an der Strombörse nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage auf Basis der angebotenen Grenz- oder Zuwachskosten. Die Systematik dieser Preisbildung führt dazu, dass mit zunehmendem Angebot regenerativer Energien mit dem „Angebotspreis Null“ sich die gesamte Angebotskurve nach rechts verschiebt, so dass sich ein niedriger Clearingpreis ergibt. Die Angebote an Windenergie führen daher stets zu niedrigeren Preisen am Spotmarkt, ein mangelndes Angebot zu entsprechend höheren Preisen. Das gleiche gilt für die Angebote aus der Kernenergie-Stromerzeugung. Die vorzeitige Stilllegung eines Kernkraftwerkes verknappt das Angebot niedrigerer Zuwachskosten und führt dadurch automatisch zu höheren Börsenpreisen.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Langfassung als PDF downloaden (PDF, 40 kB). Dieser Beitrag wurde am 19. April 2007 veröffentlicht.


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