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 Veröffentlicht: 7. Februar 2004

Kann ein großer Stromausfall wie in USA und Italien auch in Deutschland passieren?

Von Ernst Hagenmeyer
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KurzfassungHagenmeyer

In Deutschland werden die Verbraucher sehr selten von Stromausfällen betroffen. Im Durchschnitt fällt nur alle zwei Jahre für weniger als eine Stunde der Strom aus. Damit sind die deutschen Verbraucher etwa 5mal besser gestellt als die in den anderen EU-Ländern. Zum Glück sind Stromausfälle in der Regel örtlich begrenzt, z. B. wenn ein Bagger ein Kabel abreißt, oder wenn der Blitz in eine Freileitung einschlägt.

Großflächige Versorgungsunterbrechungen, die z.B. ein ganzes Land betreffen, passieren glücklicherweise sehr selten. Nun haben sich aber im vergangenen Jahr 2003 in Amerika, in Skandinavien, in Italien und in London schwere Stromstörungen ereignet von denen über 100 Millionen Menschen betroffen waren, es entstanden immense Schäden von vielen Milliarden Dollar.

Besorgte Bürger fragen deshalb, ob denn auch in Deutschland solche Blackouts passieren könnten.

Die Voraussetzungen dafür, dass bei uns so etwas nicht passiert sind relativ günstig. Unsere Netze sind grundsätzlich vermascht, das heiß, dass der Strom von zwei Seiten her zu einem Verbrauchsschwerpunkt fließen kann. Fällt eine Leitung aus, so fließt er eben über die andere herbei. Es sind ausreichend Reserven sowohl in den Netzen als auch in den Kraftwerken vorhanden. Die Kraftwerke stehen in der Nähe der Verbrauchsschwerpunkte so daß der Strom nicht über weite Entfernungen transportiert werden muss; das ist günstig für die Versorgungssicherheit.

Trotzdem ist auch bei uns bei einem Zusammentreffen von mehreren unglücklichen Umständen ein großflächiger Stromausfall möglich, jedoch sehr unwahrscheinlich. So hat es zum Beispiel in den letzten 30 Jahren in (West-) Deutschland keinen großflächigen Blackout mehr gegeben.

Es gibt allerdings Entwicklungen, die leider für eine Verminderung der Versorgungssicherheit sprechen:

Infolge der Liberalisierung der Strommärkte haben die Versorgungsunternehmen weniger Geld, um ihre Netze aus- und neue Kraftwerke bauen zu können. Wie die Erfahrungen im Ausland gezeigt haben, werden sie möglichst lange versuchen, mit den alten Anlagen auszukommen. Es kommen auch neue Aufgaben auf die Netze zu, für die sie nicht ausgelegt sind, z.B. der Ausbau von Windparks an der deutschen Nordseeküste. Dann muss der Strom über weite Entfernungen transportiert werden, was die Sicherheit schwächt.

Die Rahmenbedingungen, die der Staat für die Stromversorgung vorgibt, müssen sicherstellen, daß eine abgestimmte Planung des deutschen Verbundnetzes auch weiterhin möglich ist und daß die Entgelte, die die Stromhändler für die Inanspruchnahme der Netze bezahlen, so auskömmlich sind, daß neue Leitungen gebaut werden können.

Mehr Details finden Sie in der Langfassung.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, 68 kB). Dieser Beitrag wurde am 7. Februar 2004 veröffentlicht.

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