Energie-Fakten -> Archiv -> Beiträge eigener Autoren -> In welchem Umfang sind im Energiebereich während der letzten 30 Jahre schwere Unfälle aufgetreten ?

In welchem Umfang sind im Energiebereich während der letzten 30 Jahre schwere Unfälle aufgetreten?

Informationen zu den Autoren Peter Burgherr und Stefan Hirschberg
finden Sie auf der
Homepage des Paul-Scherrer-Instituts, und hier den Lebenslauf von Joachim Grawe.
(Peter.Burgherr@Energie-Fakten.de, Stefan.Hirschberg@Energie-Fakten.de und Joachim.Grawe@Energie-Fakten.de)

KurzfassungHirschberg

Eines der Kriterien für die Nachhaltigkeit von Energiesystemen ist die Risikoarmut. Sie kann anhand des Auftretens schwerer Unfälle in der Vergangenheit oder, soweit das nicht möglich ist, anhand von Modellrechnungen bemessen werden.

Das Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen/Schweiz besitzt die weltweitBurgherr umfangreichste Datenbank über schwere Unfälle im Energiesektor. Als „schwere Unfälle“ gelten solche, bei denen mindestens eine der folgenden Konsequenzen zu verzeichnen war: 5 Todesfälle – 10 Verletzte – 200 Evakuierte – umfassendes regionales Verbot zum Verzehr von Lebensmitteln – Freisetzung von mehr als 10.000 t Kohlenwasserstoffen – erforderliche Reinigung einer Land- oder Wasserfläche von mindestens 25 km2 – ökonomische Schäden von mindestens 5 Millionen US-Dollar.

Dabei werden nicht nur Unfälle bei der eigentlichen Energieerzeugung berücksichtigt, sondern die kompletten Energieketten betrachtet, da sich Unfälle in jedem Glied ereignen, von der Exploration, Förderung, Aufarbeitung, Lagerung und Verteilung bis zur Abfallbehandlung und -entsorgung.

Die PSI-Datenbank ENSAD (Energy-Related Severe Accident Database) beinhaltet aktuell 18400 Einträge, wobei der Grossteil auf die Periode 1969-2000 entfällt. Vergleiche der verschiedenen fossilen Energieträger, Wasserkraft und Kernenergie für diesen Zeitraum können wie folgt zusammengefasst werden. Schwere Unfälle sind in Schwellen- und Entwicklungsländern weitaus häufiger als in den Industrieländern der OECD mit ausgeprägter Sicherheitskultur. In den letzten 3 Jahrzehnten ereigneten sich in den OECD-Staaten bei Kohle, Erdgas (Naturgas) und Flüssiggas (LPG, Mineralölprodukt) insgesamt 75, 90 und 59 schwere Unfälle mit mindestens 5 Todesfällen, bei Erdöl sogar 165. Wasserkraft und Kernenergie sind mit einem bzw. keinem schweren Unfall mit unmittelbaren Todesfällen deutlich weniger unfallanfällig, die maximal möglichen hypothetischen Konsequenzen können aber sehr gross sein.

Den selteneren schweren Unfällen stehen – vor allem bei regenerativen Energien – zahlreichere kleine Unfälle gegenüber. Daten hierüber werden nur bedingt systematisch und zentral erfasst, weshalb sie oft unvollständig sind. Es gibt aber vergleichende Modellrechnungen, die in Untersuchungen über die Externen Kosten der Energiesysteme eingehen.

Durch Verbesserungen in Technik und Personalschulung sowie Optimierung des Zusammenspiels von Mensch und Maschine lassen sich die Anzahl schwerer Unfälle wie ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt deutlich verringern.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, 240 kB). Dieser Beitrag wurde am 30. März 2006 veröffentlicht.

Ein kostenfreies Programm zur Darstellung und zum Ausdruck von PDF-Dateien und zusätzlichem Browser Plug-In zur On-Line-Darstellung in Ihrem Browser erhalten Sie zum Beispiel unter folgenden Adressen:

Adobe Deutschland

Adobe International

Siehe auch:

Jemandem diese Seite per Email empfehlen.
Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.