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 Veröffentlicht: 18. Februar 2010

Schweden

Welchen Wandel gibt es in der Energiepolitik (Stand 2010)?

Von Eberhard Wagner
(
Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, )

KurzfassungWagner

In den Energie-Fakten ist 2005 der Beitrag Wie ist der Stand beim Ausstieg aus der Kernenergie in Schweden? erschienen. Dieser Beitrag stellte die gesamte Energie-Versorgungs-Situation und besonders die Entwicklung der Kernenergie-Nutzung in Schweden dar. Auf diesen Beitrag wird verwiesen.

Bereits um 1960 wurde in Schweden eine Diskussion über das Für und Wider der Nutzung der Kernenergie geführt. Bis etwa 1970 basierte die gesamte Energieversorgung wesentlich auf Erdöl, Steinkohle und Wasserkraft. Aufgrund der Ölpreiskrisen Anfang der 1970er Jahre wurde die schwedische Energiepolitik darauf ausgerichtet, die Importabhängigkeit von Erdöl zu vermindern. Dies war erfolgreich und führte zu einer verstärkten Anwendung von Elektrizität mit Nutzung der Kernenergie. Von 1971 bis 1985 wurden zwölf große Kernkraftwerke an vier Standorten in Betrieb genommen.

Nach dem Störfall im Kernkraftwerk Three-Mile-Island 1979 (USA) und einer Volksbefragung, beschloss der Schwedische Reichstag 1980 keine weiteren Kernkraftwerke zu genehmigen und spätestens 2010 auf die Nutzung der Kernenergie zu verzichten. Diese Strategie wurde allerdings mit Bedingungen verknüpft.

  • Der Ausstieg sollte sozial verträglich sein.
  • Er sollte keine wirtschaftlichen Nachteile mit sich bringen.
  • Er sollte ökologisch sinnvoll sein.

Zunehmend wurde erkannt, dass diese Vorgaben nicht erreichbar sind, zumal die Stromversorgung rund hälftig auf Kernenergie und Wasserkraft basiert.

1997 bestimmte der Reichstag in der Vorlage „Eine nachhaltige Energieversorgung“, zwei Reaktoren stillzulegen (deren Stromproduktion kompensiert werden müsse) und hob den Beschluss auf, alle Reaktoren bis 2010 stillzulegen.

Die vier Regierungs-Parteien haben 2009 nun eine Vereinbarung über eine langfristige nachhaltige Energie- und Klimapolitik beschlossen. Demnach sollen die zehn verbliebenen Kernkraftwerks-Blöcke bestehen bleiben. Es sollen nur dort Ersatzbauten entstehen dürfen. Die Stromversorgung soll verstärkt durch Erneuerbare Energien erfolgen. Die Wasserkraft-Nutzung soll, entsprechend einem Beschlusses von 1998, nicht weiter ausgebaut werden, obwohl erhebliche Potenziale vorhanden sind. Eine Laufzeitbegrenzung für bestehende und ggf. neue Kernkraftwerke wurde nicht festgelegt. Die Betriebszeiten sollen sich nach den Kriterien Sicherheit und Wirtschaftlichkeit bestimmen.

In der Vereinbarung wird betont („Vision“), dass Schweden bis 2050 über eine nachhaltige Energie-Versorgung verfügen wird. Eine parlamentarische Entscheidung über diese Vereinbarung steht noch aus. Diese wird im April 2010 erwartet.

Schweden ist bei der Lösung der Endlagerung von radioaktiven Abfällen weltweit führend. Die Standort-Gemeinden konkurrieren bei der Ansiedlung dieser Indus­trien. Die schwedische Energiepolitik ist durch einen deutlichen Pragmatismus geprägt.

In der Langfassung (pdf, 80 kB) wird detailliert auf die energiepolitischen Ziele in den Bereichen Heizenergie, Verkehr, Stromversorgung mit Erdgas, Erneuerbaren Energien Windkraft, Wasserkraft, Torf und Kernenergie eingegangen.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (pdf, 80 kB). Dieser Beitrag wurde am 18. Februar 2010 veröffentlicht.

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