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Was hat die aktuelle weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise mit der Zukunft globaler Energieversorgung zu tun?

Von Dieter Herrmann
(
Dieter.Herrmann@energie-fakten.de, Lebenslauf)

KurzfassungD. Herrmann

Zunächst fällt ins Auge, dass der Ölpreis mit dem offenen Ausbrechen der Krise von Spitzenwerten um 145 $/b Anfang Juli 2008 auf ein relativ stabiles Niveau die 45 $/b im I. Quartal 2009 zurückgefallen ist. Die analoge Aussage gilt übrigens auch für die Rohstoffpreise, die ihr Maximum aber schon Anfang März 2008 erreicht hatten. Allerdings werden diese Preisrückgänge, die dem dramatischen Konjunktureinbruch geschuldet sind, kaum von langer Dauer sein. Konjunkturelle Wiederbelebung, Nachholbedarf der Entwicklungs- und Schwellenländer sowie globales Bevölkerungswachstum lassen wieder höhere Preise und einen künftig noch bedeutenden Ausbau der Rohstoff- und Energieversorgung erwarten.

Ein Ausbau der Rohstoff- und Energieversorgung erfordert selbst große Mengen an Material und Energie. Er erfolgt deshalb nicht gleichmäßig. Abhängig von verfügbarer Technologie, entsprechendem Energiebedarf, nutzbaren Primärenergiequellen und weiteren Faktoren wechseln sich Perioden extensiven und intensiven Wachstums ab. Bei extensivem Wachstum werden nach Maßgabe steigender Arbeitsproduktivität alle Zweige etwa proportional erweitert. Bei intensivem Wachstum wird durch forcierte Einsparung und volkswirtschaftliche Strukturänderungen im Rahmen globaler Arbeitsteilung auf die aufwändige Erweiterung eigener Rohstoff- und Energieindustrie möglichst verzichtet.

Die letzte längere Periode extensiven Wachstums, die Industrieländern u. a. ihre rasche Massenmotorisierung ermöglichte, beruhte vor allem auf fortschreitender Mechanisierung und billigem Erdöl. Sie endete in der 1973er Ölkrise, nachdem Mikroelektronik immer größere Zuwächse an Produktivität, aber auch Ölbedarf erwarten ließ. Teures Öl erzwang den Übergang zu intensivem Wachstum. Durch Einsparmaßnahmen den Ersatz von Öl und Kohle durch Erdgas sowie fortschreitende Elektronisierung konnten Ressourcen rationeller genutzt werden. Vor allem aber ermöglichte ein Vorsprung bei Hochtechnologien, den Marktanteil hochwertiger Produkte stark zu vergrößern, d. h. qualitativ, ressourcensparend zu wachsen.

Technologischer Fortschritt wird heute verstärkt durch Robotisierung bestimmt. Wie Mechanisierung ersetzt diese vor allem menschliche Arbeit. Das führte bei zu geringem intensivem Wachstum zu anhaltender Massenarbeitslosigkeit. Stärkeres Wachstum aber stellte die notwendigen niedrigen Importpreise für Rohstoff und Energie in Frage. Und mit der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise werden die letzten Vorraussetzungen intensiven Wachstums beseitigt. Insofern ist diese Krise das Gegenstück zur 1973er Ölkrise: Sie erzwingt die technologisch fällige Rückkehr zu extensivem Wachstum. Künftig nur noch weltweit realisierbar wird dieses eine globale Energieversorgung erfordern, die hierfür ausreichend zuwachsorientiert, kostengünstig und umweltverträglich ist.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 380 kB). Dieser Beitrag wurde am 12. Mai 2009 veröffentlicht.

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