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 Veröffentlicht am: 13. Dezember 2002

Wie groß sind die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der unterschiedlichen Stromerzeugungsarten im Vergleich?

Von Gerald Mackenthun
Mackenthun(
Gerald.Mackenthun@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Kernenergie gilt den meisten Bundesbürgern als gefährlich, gefährlicher jedenfalls als andere Stromerzeugungsarten. Besonders die Radioaktivität ist vielen unheimlich. Sie vergessen dabei, dass auch die Nutzung anderer Energieträger wie Kohle, Öl und Gas ihre Gesundheits- und Unfallrisiken haben. Vergleicht man die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der einzelnen Stromerzeugungsarten miteinander, schneidet die Kernenergie tatsächlich nicht schlecht ab.

Das geht aus umfangreichen Berechnungen hervor, die Wissenschaftler zur Abschätzung von Risiken der einzelnen Stromerzeugungsarten unternommen haben. Das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart (IER) und das Paul-Scherrer-Institut (Villingen/Schweiz) beispielsweise veröffentlichten Untersuchungen über die Energie- und Stoffströme von Energieversorgungstechniken und schätzten ihre Wirkung ab: Auf den Treibhauseffekt, auf die menschliche Gesundheit sowie auf Materialschäden in der Umwelt und Schädigung von Feldpflanzen (verminderte Erträge durch Luftverunreinigung). In die Bilanz flossen auch die Endlagerung oder Wiederaufarbeitung von Brennelementen aus Kernkraftwerken mit ein.

Das Ergebnis: Den höchsten Treibhaus-Effekt haben Braunkohle- und Steinkohle-Kraftwerke, den niedrigsten Wind-, Wasser- und Kernkraftwerke. Photovoltaik schneidet insgesamt schlecht ab, weil zur Herstellung von Solarzellen sehr viel Material und Energie benötigt wird.

Was die Gesundheitsrisiken für den Menschen angeht, so ist die Nutzung von Stein- und Braunkohle wegen der Verbreitung von Luftschadstoffen (Schwefel und Partikel) vergleichsweise risikoreich. Die mit der Herstellung und Nutzung der Photovoltaik verbundenen Risiken sind etwa halb so hoch und damit größer als die des Erdgases. Die Grafik zeigt Schadstoffemissionen für verschiedene Stromerzeugungsarten einschließlich Kernenergie ("Nuklear"): Wind-, Wasser und Kernenergie weisen in dieser Hinsicht die geringsten Umweltbelastungen auf. Sie liegen unter zehn Prozent dessen, was die Braunkohle an Schadstoffen ausstößt. Die Stromerzeugung durch Photovoltaik ist in ihrem Betrieb sehr sauber, doch die Herstellungsprozesse der Solarzellen sind energieaufwendig und schlagen bei der Berechnung der Schadstoffemissionen und damit der potenziellen Gesundheitsbeeinträchtigung relativ stark zu Buche.

Außer Schäden, die Luftschadstoffe in der Umwelt und beim Menschen verursachen, wurden zusätzlich die tatsächlichen Schäden durch Unfälle mit Verletzungen und/oder Todesfällen untersucht. Das Paul Scherrer-Institut hat Unfalldaten von 1945 bis 1996 weltweit für fossile Energieträger, Kernkraft sowie für Wasserkraft ausgewertet und eine Sicherheitsanalyse für Stromerzeugungsarten vorgenommen, wobei sämtliche Glieder der Prozesskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung berücksichtigt sind (ENSAD-Datenbank schwerer Unfälle im Energiesektor). (Siehe auch: In welchem Umfang sind im Energiebereich während der letzten 30 Jahre schwere Unfälle aufgetreten?)

Die Kernenergie fällt dabei durchaus nicht aus dem Rahmen. Die Verletzten- und die Todesfallraten sowie die Zahl der Evakuierten sind in den westlichen Staaten am niedrigsten bei Wasserkraft und bei Kernenergie. Die Tschernobyl-Katastrophe in der Ukraine verhagelt der Kernenergie - weltweit betrachtet - die Bilanz, doch handelte es sich dort um ein singuläres, ausschließlich diese Kraftwerkstechnik treffendes Ereignis. (Siehe auch: Ist ein Reaktorunfall wie in Tschernobyl auch in Deutschland möglich? und Welche Folgen hatte der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986?) Der Bau neuer Kernkraftwerke mit weiterentwickelten sog. inhärenten Sicherheitstechniken wird das Eintreffen von Risiken innerhalb und besonders auch außerhalb von Kernkraftwerken immer unwahrscheinlicher machen. (Siehe auch: Sind die deutschen Kernkraftwerke sicher?)

Fazit

Jede Energieform hat ihre besonderen Risiken. Was die Umweltschädigung, die Gesundheitsgefährdung und die Unfallträchtigkeit betrifft, so ist Kernenergie (pro erzeugter Gigawattstunde Strom) im Vergleich zu Kohle und Photovoltaik

  • sauberer sowie
  • weniger kostenintensiv,
  • gesundheitsschädigend,
  • umweltbelastend und
  • unfallträchtig.

Kernenergie ist unter Gesundheits- und Unfallaspekten insgesamt der Stromgewinnung aus Kohle überlegen, aus Gas in etwa ebenbürtig und nur unbedeutend unterlegen den als sauber geltenden Wind- und Wasserkraftwerken.

Mehr Details finden Sie in der Langfassung (pdf). Hier können Sie die Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF (PDF Logo pdf, 255 kB) downloaden.

Siehe auch

Zu einem Teil der hier angeschnittenen Fragen finden sich weiterführende Informationen in mehreren Beiträgen unter www.Energie-Fakten.de:

Kohlekraftwerke: Feinstaub-Diskussion April 2013

Dieser Beitrag wurde am 13. Dezember 2002 veröffentlicht.

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