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 Veröffentlicht: 23. Okt. 2003.

Potenziale regenerativer Energien

Was ist realistisch machbar?

Von Martin Kaltschmitt
Lebenslauf (Link zur TH Harburg)

Die Texte, die in dieser Rubrik veröffentlicht werden, sind nicht für die "Energie-Fakten" geschrieben worden. Die Verfasser haben uns aber auf Anfrage gestattet, sie in diesem Rahmen zu veröffentlichen. Die "Energie-Fakten" sind an solchen Veröffentlichungen interessiert, soweit eigene Beiträge zu der Thematik nicht vorliegen und in nächster Zeit nicht vorgesehen sind.

KurzfassungKaltschmitt

  1. Die technischen Strom- und Wärmeerzeugungspotenziale in Deutschland sind beachtenlich und sehr wohl energiewirtschaftlich relevant; ihrer Erschließung stehen aber eine Vielzahl nachfrageseitiger und ökonomischer Restriktionen entgegen; letztere wurden durch energiepolitische Weichenstellungen (z.B. EEG) der letzten Jahre verändert.
     
  2. Bei der Wind- und Solarstromerzeugung werden die (absolut sehr hohen) technischen Stromerzeugungspotenziale u. a. durch die fluktuierende Stromerzeugungscharakteristik - ohne entsprechende Maßnahmen im Versorgungssystern - merklich reduziert: ähnliches gilt sinngemäß auch für die solarthermische Wärmebereitstellung.
     
  3. Die Strom- (und Wärme-) Erzeugungspotenziale aus Biomasse (d. h. biogene Festbrennstoffe und Biogas) und aus Erdwärme sind - ähnlich wie fossile Energieträger - nachfrageonentiert verfügbar; dadurch könnten diese Optionen in Rahmen integrierter Energieversorgungssysteme eine wichtige Rolle einnehmen. Problematisch erscheint hierbei bei der Biomasse das (durch das EEG in seiner jetzigen Form) beschränkte ökonomisch erschließbare Brennstoffpotenzial und bei der Erdwäme die (bisher) nur eingeschränkt vorhandene Technik.
     
  4. In den kommenden Jahren wird es zu einer weiteren Erschließung der Stromerzeugungspotenziale insbesondere aus Windenergie und aus Biomasse (d. h. biogene Festbrennstoffe und Biogas) kommen. Diese Entwicklung wird begrenzt bei der Windenergie durch die nur begrenzt vorhandenen "guten" Standorte bzw. die nur eingeschränkte vorhandene Technik für eine Offshore-Windstromerzeugung und bei der Biomasse durch die nicht unbegrenzt verfügbaren ökonomisch erschließbaren Brennstoffmengen. Der Ausbau der anderen Optionen zur Stromerzeugung aus regenerativen Energie wird durch die Erfolge bei der laufenden technischen Entwicklung und deren ökonomischen Konsequenzen bestimmt.
     
  5. In übersehbarer Zukunft wird es zu einer verstärkten Wärmebereitstellung aus oberflächennaher Erdwärme mithilfe von Wärmepumpen, aus solarthermischen Anlagen und insbesondere aus biogenen Festbrennstoffen kommen. Alle anderen Optionen dürften aus gegenwärtiger Sicht - gelingen nicht technische Innovationen, die mit merklichen Kostenreduktionen verbunden sind - keine signifikant weitergehende Bedeutung erlangen.
     
  6. Regenerative Energien werden in den kommenden Jahren - aufgrund der energiepolitischen Rahmensetzungen - weitergehend zur Deckung der Energienachfrage in Deutschland beitragen; dem steht von Seiten der vorhandenen technischen Potenziale nichts entgegen. Um die Mehrkosten einer primär aus Umwelt- und Klimaschutzgründen motivierten weitergehenden und durch politische Maßnahmen unterstützten Potenzialerschließung für die Volkswirtschaft möglichst zu minimieren, ist eine forcierte Technikentwicklung mit dem primären Ziel der Kostenreduktion dringend notwendig.

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