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Veröffentlicht: 12. September 2002.

Was ist von Offshore-Windparks zu halten?

Von Eberhard Wagner und Roland Dupont
(
Roland.Dupont@energie-fakten.de und Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, ; Lebenslauf Dupont

Eberhard Wagner
Roland Dupont
Roland Dupont

Hier die Fakten
(vereinfachte Kurzfassung)

Die Energiepolitik will aus Gründen des Umweltschutzes und des nachhaltigen Wirtschaftens die zukünftige Energieversorgung wesentlich durch eine erhebliche Nutzung erneuerbarer Energien sicherstellen. Auf absehbare Zeit können merkbare Beiträge bei der Stromversorgung (außer durch bereits seit langem genutzte Wasserkraft) nur durch die Windenergie erbracht werden. Der weitere Bau solcher Anlagen auf dem Festland und auf Inseln stößt jedoch vermehrt auf Hindernisse, den zunehmenden Mangel zulässiger bzw. geeigneter Flächen (ausreichend große Windstärken, Naturschutz, Landschaftsschutz) und eine wachsende Gegnerschaft der betroffenen Bevölkerung (Anhäufung von Anlagen und deren Größe/Höhe, Abstände zu Wohngebieten).

Investoren und Hersteller suchen deshalb nach neuen Standorten. Diese sieht man vornehmlich in der Nord- und Ostsee, in sog. Offshore-Gebieten.

Untersuchungen über die dort gewinnbaren Strommengen zeigen, dass ein erheblicher Anteil der deutschen Stromversorgung "rein rechnerisch" durch Offshore-Windanlagen gedeckt werden könnte. Die erzielbare Ausnutzung (Stunden pro Jahr) dieser Meeres-Anlagen ist größer als die von Anlagen auf dem Land. Diesem Vorteil stehen wegen der Aufstellung im Meer (Seewassereinfluss, Zugänglichkeit) bei Seetiefen bis zu etwa 40 m und der langen Stromübertragung zum Festland (100 km und mehr) erhöhte Investitionen gegenüber. Ob die nach dem Eneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgeschriebene Vergütung, die das drei- bis sechsfache der konventionellen Erzeugungskosten beträgt und damit stark subventionierenden Charakter hat, für einen wenigstens betriebswirtschaftlich kostendeckenden Betrieb ausreicht, ist offen.

Das unstetige Windaufkommen führt sowohl bei den Anlagen auf dem Festland als auch bei den Meeres-Anlagen gleichzeitig - dort in stärkerem Maße - zu erheblichen Stabilitätsproblemen für die gesamte Stromversorgung. Das Windaufkommen von der Flaute bis zu nicht mehr nutzbaren Windgeschwindigkeiten, bei denen die Anlagen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden müssen -  wirkt sich bei den Meeres-Anlagen gleichzeitig auf praktisch alle Anlagen aus. Die entstehenden sehr großen Ungleichheiten und Ausfälle bei der Wind-Stromerzeugung müssen durch den konventionellen Kraftwerkspark ausgeglichen werden. Zudem kann der unstete Windstrom den gesichert erzeugbaren Grundlaststrom aus Braunkohle- oder Kernkraftwerken ohnehin nicht ersetzen.

Eine erhebliche Windstromerzeugung in Gebieten, die weit entfernt von Verbrauchszentren liegen, müsste einen Umbau und eine Erweiterung des Hochspannungsnetzes zur Folge haben. Das derzeitige Netz ist für diese Anforderungen nicht geeignet.

Weitere mögliche Einflüsse dieser Anlagen sind zu beachten und zu prüfen: auf Schifffahrt, Meeresfauna- und -flora, Fischerei, Naturparks, Vogelschutzgebiete, Vogelflug, Wattenmeer (Kabelwege für den Anschluss an das Verbundnetz), ferner Konflikte mit anderen Nutzern dieser Seegebiete, z.B. Öl-/Gasförderorte und Pipelines, Strom- und Telefonleitungen, Touristik, das Militär.

Ergänzung

Im Auftrag der bundeseigenen „Deutschen Energie-Agentur (dena)“ hat ein Konsortium aus Wissenschaftlern sowie Fachleuten des Bundeswirtschaftsministeriums, der Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen sowie Stromversorgern die groß angelegte Studie „Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore bis zum Jahr 2020 (dena-Netzstudie)“ erarbeitet.

Gegenstand der Anfang 2005 veröffentlichten Studie waren die Auswirkungen der Nutzung der Windenergie und anderer erneuerbarer Energien auf die  Stromversorgung, besonders die Stromnetze und den zukünftigen Einsatz von konventionellen Kraftwerken.

Die Verfasser weisen auf den im engen sachlichen Zusammenhang stehenden Beitrag hin:

Zu welchen Ergebnissen kommt die neue umfassende Studie zum Ausbau der Windenergie („dena-Netzstudie“)?

In der Langfassung (pdf) wird auf die Möglichkeiten und Probleme eines großmaßstäblichen Einsatzes von Offshore-Windparks näher eingegangen.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, 32 kB). Dieser Beitrag wurde am 12. September 2002 veröffentlicht.

Ein kostenfreies Programm zur Darstellung und zum Ausdruck von pdf-Dateien und zusätzlichem Browser Plug-In zur On-Line-Darstellung in Ihrem Browser erhalten Sie zum Beispiel unter folgenden Adressen:

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Adobe International

Siehe auch:

  • Bereich Regenerative Energie -> Windkraft der Energie-Fakten.de
  • Offshore-Wind.de: Die Informations-Plattform der Deutschen Energieagentur (dena)
    Über die dena „Die dena wurde im Herbst 2000 mit Sitz in Berlin gegründet. Die Gesellschafter der dena sind die Bundesrepublik Deutschland, die KfW Bankengruppe, die Allianz SE, die Deutsche Bank AG und die DZ BANK AG.“ (Text: dena)

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