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Veröffentlicht: 30. März 2010.

Laufzeitverlängerungen deutscher Kernkraftwerke

Wie lange können Kernkraftwerke sicher betrieben werden?

Markus  ZinkVon Markus Zink (Markus.Zink@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Hintergrund der öffentlichen Diskussion um die Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke ist der am 14. Juni 2000 zwischen der deutschen Bundesregierung und den Vertretern der Energiewirtschaft abgeschlossene, so genannte „Atomkonsens“. Durch diese Vereinbarung wurden die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke limitiert, indem die noch zu produzierenden Strommengen festgesetzt wurden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die deutschen Kernkraftwerke nicht auch über diese vereinbarte Restlaufzeit hinaus sicher betrieben werden könnten.

Bei der Auslegung der Kernkraftwerke wurde eine Nutzungsdauer von 40 Jahren zu Grunde gelegt. Die Anlagenkomponenten wurden dabei konservativ ausgelegt – d. h. es wurde hinsichtlich der zu erwartenden Materialbelastung eher übertrieben. Die Bemühungen und Maßnahmen der Betreiber, die Anlage auf einem hohen (sicherheits-)technischen Niveau zu halten, lassen sich unter dem Begriff des Alterungsmanagements zusammen fassen. Ziel ist es, die Ausfallraten wichtiger Systeme über die gesamte Lebensdauer der Anlage so gering wie möglich zu halten. D. h. einer Alterung gilt es durch entsprechende Maßnahmen, Kontrollen und Prüfungen entgegenzuwirken.

Die Frage nach der (sicherheits-) technisch maximalen Lebensdauer eines Kernkraftwerkes lässt sich nicht generell beantworten. Es hängt vielmehr von den einzelnen Anlagen, deren Auslegung und Betriebsweise und insbesondere auch deren Wartung, d. h. Betriebsphilosophien, ab, wie lange die Kernkraftwerke sicher betrieben werden können – die Sicherheit steht beim Betrieb eines Kernkraftwerks an oberster Stelle. In Deutschland überwachen die zuständigen Aufsichtsbehörden den Betrieb der Kernkraftwerke. Darüberhinaus trägt der nationale und internationale Erfahrungsaustausch zu einer Verbesserung der Betriebssicherheit bei.

Heute weis man aufgrund der gesammelten Betriebserfahrung und Forschung, dass die Bauteile in den Kernkraftwerken durchaus über eine Laufzeit von 60 Jahren eingesetzt werden können – die der Auslegung zu Grunde gelegten Beanspruchungen waren demnach höher angesetzt, als nötig. Dem entsprechend wird beispielsweise in den USA, wo die Laufzeit der Kernkraftwerke zu Beginn des Betriebs formal auf 40 Jahre begrenzt wurde, mittlerweile eine Laufzeitverlängerung um 20 Jahre erwirkt. Hierzu ist für jede Anlage eine Erneuerung der Lizenz mit einer einhergehenden Beurteilung des (sicherheits-)technischen Standes zu erstellen. Bei mehr als der Hälfte der amerikanischen Anlagen ist der Prozess bereits erfolgreich abgeschlossen. Andere Länder folgen dem Beispiel.

In der Langfassung (pdf, 132 kB) dieses Artikels werden die Hintergründe der Lebensdauerbegrenzungen, wie Alterungsmechanismen und das Alterungsmanagement erläutert. Sie bietet darüber hinaus einen Überblick über Aufsicht und Prüfvorschriften und zieht ein klares Fazit. Durch den jährlich stattfindenden internationalen Vergleich zeigt sich, dass deutsche Kernkraftwerke auf einem hohen Zuverlässigkeitsniveau betrieben werden.

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, 132 kB). Dieser Text ist außergewöhnlich lang. Er wurde dennoch wegen seiner hohen Qualität und der Bedeutung des Themas akzeptiert und wurde am 30. März 2010 veröffentlicht.

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Siehe auch

Zum Thema Laufzeiten nach der Energiewende
  • Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert über die Laufzeiten, Reststrommengen der einzelnen Atomkraftwerke und dem Weg beim Ausstieg aus der Kernenergie unter www.bfs.de.
  • Dr. Ralf Gülder, Präsident des Deutschen Atomforums, präsentierte am 11. März 2012 in Bern das Thema „Stromversorgung in Deutschland ein Jahr nach dem Moratorium“. In der Präsentation (pdf, Link zu nuklearforum.ch) sind die aktuellen Laufzeiten angegeben.

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