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Veröffentlicht: 24. Juli 2003.

Braucht Deutschland noch kerntechnische Kompetenz?

Von Peter Fritz
(Peter.Fritz@Energie-Fakten.de
, Lebenslauf (pdf, 30 kB))

KurzfassungFritz

Zu den energiepolitischen Zielen der rot-grünen Bundesregierung zählt die geordnete Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität. Im Rahmen dieser Ausstiegspolitik ist von der Regierung und Vertretern der Energieversorgungsunternehmen am 11. Juni 2001 eine Vereinbarung unterzeichnet worden, die die endgültige Abschaltung des letzten deutschen Kernkraftwerks etwa um das Jahr 2020 vorsieht. Damit ist , was die Mengen an bisher erzeugtem und noch bereit zu stellendem Nuklearstrom betrifft, gewissermaßen die zweite Halbzeit des kerntechnischen Zeitalters in Deutschland eingeleitet worden – und die reicht bei Einbeziehung der anschließenden Arbeiten zur Entsorgung und Endlagerung der radioaktiven Abfälle bis in die Mitte des gerade begonnenen Jahrhunderts.

Vor diesem Zeithorizont stellt sich unter anderem auch die Frage nach der Kompetenzerhaltung in der Kerntechnik. Dazu meint die im September 1999 vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (BMWi) einberufene Kommission zur Evaluierung der nuklearen Sicherheits- und Endlagerforschung in Deutschland in ihrem Abschlussbericht:

Unabhängig von den Vorgaben der politschen Entscheidung über die Beendigung der Nutzung der Kernenergie in Deutschland ist für die nächsten Dekaden die Kompetenzerhaltung in kerntechnischer Sicherheit erforderlich. Nur so kann weiterhin der Schutzauftrag staatlicher Vorsorge erfüllt und die Sicherheit nuklearer Anlagen und Entsorgungswege nach dem inter-nationalen Stand von Wissenschaft und Technik gewährleistet werden.”

Kompetenzerhaltung also ja – aber wie? Eine entsprechende Initiative der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) führte im März 2000 zur Gründung des Kompetenzverbunds Kerntechnik. Im Rahmen des Verbunds bemühen sich die Forschungszentren Jülich, Karlsruhe und Rossendorf und die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in enger Kooperation mit ihren jeweiligen Nachbar-Universitäten auch um eine gezielte Förderung kerntechnischer Nachwuchskräfte. Zur Entwicklung einer entsprechenden Arbeitsplatz-Perspektive für kerntechnisches Fachpersonal hat der Kompetenzverbund im Sommer 2000 eine Erhebung durchgeführt, die folgende Teilbereiche umfasste:

  • Kernkraftwerksbetreiber,
  • Kernkraftwerkshersteller und Service-Industrie,
  • Aufsichts- u. Gutachtergremien und
  • Forschungs- und Entwicklungs (F&E)- Institutionen.

Für kerntechnisch orientierte Hochschulabsolventen zeigt das Ergebnis für die laufende Dekade einen leichten Rückgang der Arbeitsplätze an, von knapp 7.000 (2000) auf etwa 6.200 (2010); von den 6.200 aber werden infolge altersbedingter Abgänge rund 1.700 Arbeitsplätze zur Neubesetzung durch qualifizierte Nachwuchskräfte frei.

Diese Angebotsperspektive wird ihre Motivationswirkung auf junge Studenten nur dann entfalten, wenn sich Bund und Länder mit einer ausreichenden und stabilen finanziellen Förderung an der langfristigen Kompetenzerhaltung in der Kerntechnik beteiligen. In dieser Hinsicht bleibt auch in Deutschland die nukleare Sicherheits- und Endlagerforschung ein notwendiger Bestandteil des verantwortlichen Umgangs mit dem Risiko, das mit der zivilen Nutzung der Kernenergie verbunden ist, und damit ein unverzichtbarer Teil gesellschaftlicher Vorsorgeforschung.

Näheres ist der Langfassung zu entnehmen.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 70 kB). Dieser Beitrag wurde am 24. August 2003.

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