Energie-Fakten -> Archiv -> Beiträge eigener Autoren -> Welche Rolle können die einzelnen Energieträger bei der Abwehr der Klimagefahren spielen?
Veröffentlicht: 28. März 2002

Welche Rolle können die einzelnen Energieträger bei der Abwehr der Klimagefahren spielen?

Von Eike Roth
(
Eike.Roth@energie-fakten.de, Lebenslauf)

KurzfassungRoth

Notwendigkeiten: Die große Mehrheit der Experten hält es für erforderlich, zur Abwehr drohender Klimagefahren die menschengemachten Freisetzungen von Kohlendioxid (CO2) weltweit bis 2005 um 20 %, bis 2020 um 50 % und längerfristig um 66 % zu reduzieren (siehe Langfassung). Die Industrieländer werden den größten Beitrag hierzu leisten müssen.

Auswirkungen auf das Energiesystem: CO2 entsteht vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger. Diese sind mit einem Anteil von rund 88 % das Rückgrat der heutigen Energieversorgung der Menschheit. Um die CO2-Freisetzungen zu reduzieren, muss die Verbrennung der fossilen Energieträger im selben Ausmaß reduziert werden.

Erschwernis: Parallel zu dieser Reduktionsanforderung wird der weltweite Energiebedarf auf jeden Fall noch stark zunehmen. Bevölkerungswachstum und der Kampf gegen die weitverbreitete Armut mit Hunger und Elend werden ihn - trotz aller Sparbemühungen - mindestens noch auf das Doppelte, vielleicht sogar auf das Dreifache, anwachsen lassen.

Konsequenz: Innerhalb von 50 bis 100 Jahren darf also ein wesentlich gestiegener Bedarf nur noch zu einem relativ kleinen Rest durch fossile Energieträger gedeckt werden. Die dazwischen klaffende Lücke - und das ist ganz grob etwa doppelt so viel wie unser gesamter heutiger Energieverbrauch - muss irgendwie CO2-frei beigesteuert werden. Zu untersuchen ist also, welche Energieformen hierzu wie viel beitragen können.

CO2-freie Energieformen: Im wesentlichen gibt es nur zwei CO2-freie Energieformen: Die Sonnenenergie in ihren verschiedensten Erscheinungsformen und die Kernenergie in Form der Kernspaltung und der Kernfusion. Die Sonne strahlt insgesamt ungeheuer viel Energie auf die Erde ein. Aber diese Energie ist sehr wenig konzentriert. Zu ihrer Nutzung muss sie erst gesammelt bzw. aufkonzentriert werden, außerdem muss sie in Nutzenergie (Licht, Wärme, Arbeitsenergie etc.) umgewandelt werden. Das Sammeln erfordert große Apparate, die viel Geld kosten und in deren Herstellung vorab relativ viel Energie hineingesteckt werden muss. Das erschwert die Nutzung der Sonnenenergie. Kernspaltungsenergie ist heute eine ausgereifte (aber durchaus noch weiterentwickelbare) Technik, die Strom und Wärme in großen Mengen sicher, umweltfreundlich und konkurrenzfähig zur Verfügung stellen kann. Fusionsenergie kann in fernerer Zukunft vielleicht einen noch größeren und noch besseren Beitrag leisten, doch ist das beim heutigen Stand der Technik nicht zuverlässig absehbar.

Bewertung: Wie in der Langfassung gezeigt wird, kann Sonnenenergie nach heutigem Wissensstand die Lücke zwischen dem zu erwartenden Energieverbrauch und dem noch zulässigen Verbrauch fossiler Energieträger sicher nicht rechtzeitig schließen. Hauptursachen sind die Kosten und die relativ schlechte Energiebilanz. Größere Beiträge sind nur von jenen Formen zu erwarten, bei denen uns die Natur den Sammelprozess kostenlos liefert, wie z. B. bei der Wasserkraft. Alle Sonnenenergiebeiträge zusammen werden aber nicht ausreichen. Die Kernenergie kann demgegenüber grundsätzlich jeden Beitrag liefern, den wir von ihr haben wollen. Heute tragen Sonnenenergie (im wesentlichen Wasserkraft) und Kernenergie (ausschließlich Spaltungsenergie) je etwa 6 % zur Energieversorgung bei (weltweit). In Zukunft werden sie sehr viel mehr leisten müssen. Es ist zu erwarten, dass der Beitrag der Kernenergie in der überschaubaren Zukunft überwiegen wird.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, 70 kB). Dieser Beitrag wurde am 28. März 2002 veröffentlicht.

Ein kostenfreies Programm zur Darstellung und zum Ausdruck von PDF-Dateien und zusätzlichem Browser Plug-In zur On-Line-Darstellung in Ihrem Browser erhalten Sie zum Beispiel unter folgenden Adressen:

Adobe Deutschland

Adobe International

Siehe auch:

Literatur:

  • "Sonnenenergie: Was sie bringt - Was sie kostet", von Eike Roth Friedmann Verlag München, 1999, ISBN 3-933431-05-0 (erhältlich z.B. bei Amazon.de)
  • "Globale Umweltprobleme - Ursachen und Lösungsansätze" von Eike Roth Friedmann Verlag München 2004, ISBN -933431-31-X, (erhältlich z.B. bei Amazon.de und bol.de)

Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.