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 Veröffentlicht: 30. Juni 2005; Aktualisiert: 29. November 2005.

Wie ist der Stand beim Ausstieg aus der Kernenergie in Schweden?

Von Eberhard Wagner
(
Eberhard.Wagner@energie-fakten.de, )

KurzfassungWagner

Den Stand des Wandels der schwedischen Energiepolitik im Jahr 2010 beschreibt der zwischenzeitlich ebenfalls bei den Energie-Fakten erschienene Artikel Schweden: Welchen Wandel gibt es in der Energiepolitik?.

Aufgrund der Ölpreiskrisen Anfang der 1970er Jahre wurde die schwedische Energiepolitik darauf ausgerichtet, die Importabhängigkeit von Erdöl zu vermindern. Durch die Verlagerung der Energieversorgung auf die Anwendung von Strom - vorwiegend aus Wasserkraftwerken und Kernkraftwerken - ging der Erdölbedarf seit 1970 bis auf etwa 25 % zurück.

Das erste große schwedische Kernkraftwerk wurde 1971, das zwölfte und jüngste 1985 in Betrieb genommen. Der jährliche Strombedarf von etwa 150 Terawattstunden – TWh – (1 TWh = 1 Milliarde Kilowattstunden) wird mit je etwa 70 TWh aus Wasserkraft und aus Kernenergie gedeckt. Der restliche Strom wird aus Erdgas, Steinkohle, Torf, Holz, Holzlauge und in geringem Maße aus Windkraft gewonnen.

Nach dem Störfall im Kernkraftwerk Three-Mile-Island 1979 (USA) beschloss der Schwedische Reichstag 1980 nach einer Volksbefragung, dass die im Bau befindlichen Kernkraftwerke in Betrieb gehen sollen, aber keine weiteren derartigen Anlagen gebaut werden und spätestens im Jahre 2010 der Ausstieg aus der Kernenergie-Nutzung vollzogen sein soll. 1986 wurde durch den Reaktorunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl (ehemalige Sowjetunion) erneut die Frage der Kernkraft-Risiken aufgeworfen. Die Energiepolitik wurde verstärkt darauf ausgerichtet, eine Energieversorgung ohne Kernenergie tatsächlich zu erreichen.

1997 nahm der Schwedische Reichstag die Vorlage über "Eine nachhaltige Energieversorgung" an. Diese bestimmte u. a., einen der Reaktoren am Standort Barsebäck vor dem 1. Juli 1998 und den zweiten vor dem 1. Juli 2001 stillzulegen, allerdings unter der Voraussetzung, dass deren Stromproduktion  kompensiert werden kann. Der frühere Beschluss, alle Reaktoren bis 2010 stillzulegen, wurde aufgehoben. Barsebäck Block 1 wurde schließlich am 30. November 1999 stillgelegt, Barsebäck Block 2 am 1. Juni 2005.

Der Verzicht auf die Nutzung der Kernenergie wird in Schweden kontrovers diskutiert. Die Industrie befürchtet den Verlust einer preiswerten und auch umweltverträglichen Stromerzeugung und damit eine Beeinträchtigung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Ein Verzicht auf die Kernenergienutzung ohne ausreichende andere und verlässliche Stromerzeugungstechniken zu verfügen würde offensichtlich erhebliche negative Folgen für die schwedische Volkswirtschaft haben.

Die Leistung der noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke ist in den letzten Jahren erheblich gesteigert worden. Diese Steigerung ermöglichte die Kompensation des Ausfalls von Barsebäck. Eine Ausnutzung von vorhandenen weiteren großen Wasserkraftpotenzialen ist nicht möglich. Der Schwedische Reichstag beschloss 1998, aus Naturschutzgründen keine weiteren Ausbauten von Gewässern zuzulassen.

Trotz erheblicher Anstrengungen, wirtschaftlich tragfähige Alternativen zur Kernenergienutzung als auch zum Verbrauch fossiler Brennstoffe zu schaffen, ist davon auszugehen, dass Schweden noch weit über das Jahr 2010 hinaus auf die Nutzung der Kernenergie nicht verzichten kann. Die Betreiber von Kernkraftwerken gehen von einer Nutzungszeit der bestehenden Anlagen etwa bis zum Jahr 2050 aus.

Nachtrag, 29.11.2005

Die Schwedische Regierung hat sich mit den Betreibern des Kernkraftwerks Barsebäck Block 2 über die Zahlung einer Entschädigung für die Stilllegung des Kraftwerkes geeinigt. Die Entschädigung beträgt 5,6 Milliarden Schwedische Kronen (das sind etwa 581 Millionen Euro). Der Betrag entspricht etwa der Entschädigung für die Stilllegung des Kraftwerks Barsebäck Block 1.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, 40 kB). Dieser Beitrag wurde am 30. Juni 2005 veröffentlicht und am 29. November 2005 aktualisiert.

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