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Veröffentlicht: 1. Juni 2001

Ist eine Energiekrise wie in Kalifornien auch in Deutschland möglich?

Von Dr. Dietmar Ufer
(
Dietmar.Ufer@energie-fakten.de, Lebenslauf)

KurzfassungDr. Ufer

Spätestens seit Mitte 2000 ist Strom in Kalifornien knapp. Die Strompreise "explodieren". Zeitweilig wird der Strom abgeschaltet. Auch Erdgas verteuerte sich stark. Dadurch wurden Gaskraftwerke unwirtschaftlich.

Die Energiekrise wurde ausgelöst durch Mangel an ausreichender Kraftwerks-Leistung und zugleich unzureichenden Kapazitäten der Übertragungsleitungen für Bezüge aus anderen US-Bundesstaaten einerseits sowie einen kräftigen Anstieg des Stromverbrauchs und vor allem der Stromnachfrage zu Spitzenzeiten (in den 90er Jahren Zunahme der Spitzenlast in Kalifornien insgesamt um 19 %, in Silicon Valley sogar um 33 %) andererseits.

Die tieferen Ursachen liegen zum einen in der rigorosen Umweltpolitik Kaliforniens.  Kraftwerke mussten stillgelegt werden, darunter Wasserkraftwerke und das Kernkraftwerk Rancho Seco. Neue Kernkraftwerke sollen nicht gebaut werden. Für Kohlekraftwerke gelten scharfe Luftreinhalte-Vorschriften. Die favorisierten Wind- und Solaranlagen produzieren oft nicht, wenn der - nicht speicherbare - Strom gebraucht wird. Zum anderen wirkte sich die Art und Weise der Liberalisierung des kalifornischen Strommarktes aus. Diese war teils radikal, teils halbherzig. Sie beschnitt die Möglichkeiten der Versorgungsunternehmen drastisch, die Stromversorgung zu sichern, und schreckte vor Investitionen ab.

Die Verhältnisse in Deutschland sind in mehrfacher Hinsicht nicht vergleichbar. Stromverbrauch und Höchstlast nehmen nur mit bescheidenen Raten zu. Auf Sicht sind genügend Erzeugungs- und Transport-Kapazitäten vorhanden. Der liberalisierte Strommarkt kann über die Preise auf drohende Knappheiten frühzeitig reagieren.

Dennoch können längerfristig Engpässe auftreten. Vor allem der „Ausstieg“ aus der Kernenergie schwächt die Versorgungssicherheit. Der Erdgaspreis kann unerwartet anziehen und damit die Stromerzeugung in Gaskraftwerken verteuern. Für kapitalintensive Anlagen bestehen unsichere Investitionsbedingungen. Eine langfristig angelegte Energiepolitik, die die Nutzung aller verfügbaren Energieträger zugrunde legt, fehlt.

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