Energie-Fakten -> Archiv -> Beiträge eigener Autoren -> Biologische Wirkungen ionisierender Strahlung und die Befunde von Hiroshima und Nagasaki; Veröffentlicht: 2004, zuletzt aktualisiert: April 2009

Biologische Wirkungen ionisierender Strahlung und die Befunde von Hiroshima und Nagasaki

W. KoelzerVon Winfried Koelzer (Winfried.Koelzer@energie-fakten.de)

Kurzfassung

Bereits wenige Monate nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 und der natürlichen Radioaktivität wurden erste Berichte über schädliche Wirkungen dieser Strahlen auf das menschliche Gewebe, insbesondere Wirkungen auf die Haut, veröffentlicht. 1902 wurde der erste tödliche Strahlenkrebs und 1927 Befunde über genetische Veränderungen durch Röntgenstrahlung an der Fruchtfliege beschrieben. Die biologische Wirkung der ionisierenden Strahlung beruht auf ihrer Eigenschaft, Atome oder Moleküle anzuregen oder zu ionisieren, d. h. elektrisch aufzuladen. Ein Teil dieser physikalischen Effekte kann zu Konsequenzen im biologischen Bereich führen, d. h. organisches Gewebe verändern oder schädigen, in den meisten Fällen wird aber der Schaden von der Zelle repariert oder die Zelle wird abgetötet. Das Absterben einzelner Zellen ist biologisch völlig bedeutungslos, weil der Körper ohnehin die meisten seiner Zellen regelmäßig austauscht. Wenn jedoch eine hohe Zahl von Zellen in einem Organ oder Gewebe abgetötet wird, wird die Funktionsfähigkeit des Organs oder Gewebes beeinträchtigt. Schäden dieser Art werden Strahlenfrühschäden genannt. Beim Menschen treten solche Schäden - abhängig vom bestrahlten Organ oder Gewebe - erst oberhalb von 0,2 bis 2 Sievert -Sv - (Sievert ist das Maß für die biologische Strahlenwirkung, die sog. Körperdosis) auf. Bleibt eine nicht oder nicht erfolgreich reparierte Zelle lebensfähig, kann das u. U. zu „stochastischen“ (mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten auftretenden, aber im Einzelfall nicht vorhersehbaren) Strahlenschäden führen. Hierzu gehören Leukämie und Krebs sowie genetischen Veränderungen. Für diese Schadensarten konnte bisher keine untere Dosisschwelle nachgewiesen werden.

Durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki starben etwa 150 000 bis 220 000 Menschen durch die unmittelbaren Explosionswirkungen wie Druckwelle, einstürzende Bauwerke, Hitze und Strahlung innerhalb der ersten beiden Monate. Die seit 1950 von der japanisch/amerikanischen Radiation Effects Research Foundation durchgeführten Untersuchungen über die Sterblichkeit an den Atombombenüberlebenden beziehen sich auf insgesamt 120 321 Personen, von denen sich 93 741 Personen zum Zeitpunkt der Explosionen in Hiroshima und Nagasaki aufhielten. Davon konnte für 86 611 Überlebende eine Berechnung der Strahlendosis durchgeführt werden. 45 % dieser Personen erhielten eine Dosis von weniger als 5 Millisievert - mSv (tausendstel Sievert), 35 % zwischen 5 und 100 mSv und 7 % mehr als 500 mSv. Unter diesen 86 611 Personen sind von 1950 bis 2000 insgesamt 10 127 Krebssterbefälle aufgetreten, 480 mehr als in einer unbestrahlten Population zu erwarten waren. Im gleichen Zeitraum sind 296 Personen an Leukämie verstorben – 93 mehr als erwartet. Aus den Daten ist aber auch zu entnehmen, dass für die rund 38 500 Personen mit Strahlendosen unterhalb 5 mSv gar keine erhöhte Krebssterblichkeit festgestellt werden konnte. Im Gegensatz zu den anfänglichen Befürchtungen haben die Untersuchungen an den Kindern und Kindeskindern der Atombombenüberlebenden bisher keinen Hinweis auf eine strahlenbedingte Erhöhung vererbbarer Effekte ergeben.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung (pdf, 40 kB) entnehmen.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, 40 kB). Dieser Beitrag wurde am 3. August 2004 veröffentlicht und im April 2009 aktualisiert.

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