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 Veröffentlicht: 1. Juni 2001; Aktualisiert: Februar 2010

Welche Folgen hatte der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986?

Von Karlheinz Orth
(
Karlheinz.Orth@energie-fakten.de)Dipl.-Ing. Karlheinz Orth

Kurzfassung

Bei dem Unfall wurden verhältnismässig grosse Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt und europaweit verbreitet (etwa 1/1000 der Mengen durch Atombombenversuche). 3 Menschen starben bei dem Unfall sofort, 28 weitere stark Bestrahlte in den ersten 3 Monaten und 14 weitere aus unterschiedlichen Ursachen innerhalb von 10 Jahren.

Gravierender sind die längerfristigen Wirkungen für Teile der Ukraine und Weissrusslands, vor allem:

  • die Entstehung von Schilddrüsenkrebs bei bisher 1.800 Kindern; dieser ist jedoch glücklicherweise ganzüberwiegend heilbar und in den meisten Fällen bereits geheilt
  • die Umsiedlung von einigen hunderttausend Menschen
  • Psychische Auswirkungen der Umsiedlung (bzw. des Lebens in belasteten Gebieten) und unterlassener bzw. unklarer Informationen (zusammen mit den allgemein schlechten Lebensbedingungen in der ehemaligen UdSSR)
  • die radioaktive Verseuchung von 4.300 km2, wohl auf Jahrzehnte.

Nicht festgestellt wurde dagegen ein vermehrtes Auftreten von Krebs, Leukämie und Missbildungen, was vielfach erwartet wurde. Jedenfalls wurden die statistischen „Normalzahlen“ hierfür nicht messbar überschritten. Gegenteilige Meldungen sind nach internationalen wissenschaftlichen Untersuchungen entweder falsch oder unzulässige Verallgemeinerungen.

In Deutschland gingen wesentlich geringere radioaktive Niederschläge nieder. Die Auswirkungen lagen in der Schwankungsbreite der natürlichen Radioaktivität, die z. B. im Schwarzwald wesentlich höher ist als an der Nordsee, ohne dass dies erkennbare Auswirkungen auf die Gesundheit der dort lebenden Menschen hätte. Theoretisch könnte sich das Risiko eines Bundesbürgers, an Krebs zu sterben, durch Tschernobyl von 20 % auf 20,01 % erhöht haben, wenn man annimmt, dass auch kleinste Strahlendosen Krebs auslösen (eine wissenschaftlich umstrittene Frage). Die Tatsache, dass ein so schwerer Unfall tatsächlich eintreten konnte, und verwirrende Informationen (z. B. um bis zum 20-fachen auseinander liegende Grenzwerte für Milch) bewirkten aber bei vielen Menschen hierzulande Verängstigungen und eine Abneigung gegen Kernenergie. Die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Tschernobyl-Reaktor und deutschen Kernkraftwerken blieben ausser Acht und wurden teilweise bewusst verschwiegen.

Näheres ist der Langfassung (pdf, 23 kB) zu entnehmen. Dort finden sich auch detaillierte Informationen zu den Auswirkungen für Menschen und für Deutschland zur Nutzung in Referaten.

Die in dieser Antwort enthaltenen Daten, Fakten und Schlußfolgerungen werden gestützt durch die mittlerweile veröffentlichte Studie der United Nations: Tschernobyl: das wirkliche Ausmass des Unfalls (pdf, 125 kB)

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (pdf, 23 kB). Dieser Beitrag wurde am 1. Juni 2001 veröffentlicht und im Februar 2010 aktualisiert.

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