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Wie hoch sind die „externen Kosten“ der verschiedenen Energie-Techniken bei der Stromerzeugung?

Von Rainer Friedrich
(
Rainer.Friedrich@energie-fakten.de, Professor Dr.-Ing. habil. Rainer Friedrich ist Mitarbeiter des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieversorgung (IER) der Universität Stuttgart.)

KurzfassungFriedrich

Die Stromerzeugung verursacht Risiken für die menschliche Gesundheit und Schäden an Pflanzen, Ökosystemen und Materialien. Diese unerwünschten, so genannten externen Effekte sollten bei Vergleichen und Entscheidungen auf konsistente Weise mit berücksichtigt werden. Ein Weg hierzu besteht darin, die externen Effekte zu monetarisieren, also in Geldwerte bzw. externe Kosten umzurechnen. Sie können dann untereinander und mit den internen, betriebswirtschaftlich ermittelten Kosten verglichen werden. Die Umrechnung in Geldwerte erfolgt, indem man die Präferenzen der Bevölkerung erfasst, das heißt die Zahlungsbereitschaft zur Vermeidung von Schäden und Risiken ermittelt. Die neuesten, nach dem derzeitigen Stand des Wissens (2009) berechneten externen Kosten pro erzeugter Kilowattstunde betragen für ein:

Art der elektrischen Energieerzeugung externe Kosten
Steinkohlekraftwerk mit Staubfeuerung ca. 3,0 Cent/kWh
Braunkohlekraftwerk mit integrierter Kohlevergasung ca. 2,6 Cent/kWh
Erdgasbefeuertes Gas- und Dampfkombikraftwerk ca. 1,3 Cent/kWh
Kernkraftwerk ca. 0,1 Cent/kWh
Photovoltaikanlage (auf dem Dach, polykristalline Si-Dünnschichtzellen) ca. 0,5 Cent/kWh
Off-shore Windkraftanlage (5 MW) ca. 0,1 Cent/kWh
Laufwasserkraftwerk < 0,1 Cent/kWh

Die angegebenen Zahlen gelten für neue, 2010 in Deutschland an festgelegten fiktiven Standorten in Betrieb gehende Anlagen nach dem neuesten Stand der Technik. Vor- und nachgelagerte Prozesse (Energieträgergewinnung und Umwandlung, Bau und Abriss, Endlagerung) sind berücksichtigt, bei Kernkraftwerken auch Unfallrisiken. Die größten Beiträge zu den externen Kosten entstehen durch die Beiträge zum Treibhauseffekt und durch Gesundheitsschäden bis hin zu verringerter Lebenserwartung, die durch die Emission von Schadgasen wie Feinstaub, Stickoxiden und Schwefeldioxid entstehen. Bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne entstehen die externen Kosten weniger oder nicht beim Betrieb, sondern vielmehr bei der Herstellung der Anlagen.

In der Langfassung (pdf, rd. 80 kB) wird ausführlicher auf die diversen Möglichkeiten der Bewertungen unterschiedlicher Stromerzeugungsarten eingegangen. Ferner wird detailliert die Bewertung von Kernkraftwerken erläutert.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als PDF downloaden (PDF, rd. 80 kB). Dieser Beitrag wurde am 27. Juni 2002 veröffentlicht und im Juni 2009 aktualisiert.


Kohlekraftwerke: Feinstaub-Diskussion April 2013

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