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Veröffentlicht: 27. Sept. 2011

Was sagen die Fachleute der Energiewirtschaft zur Energiewende?

Von Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Antwort

Prof. Dr. Manfred PoppKeine guten Noten erhielt die deutsche Energiepolitik auf der Jahrestagung der VGB Powertech1 2011 in Bern. Die 1100 Energie-Fachleute aus Deutschland, dem diesjährigen Gastgeberland Schweiz und den aus 26 Mitgliedsländern des VGB diskutierten die Folgen der deutschen Energiewende betont sachlich, aber mit deutlich spürbarem Unbehagen.

  1. Eine Branche, deren Anlagen über 40 bis 60 Jahre in Betrieb sind, tut sich schwer, derart abrupte Wechsel der Energiepolitik zu akzeptieren, wie sie die Bundesregierung im März dieses Jahres vollzogen hat. Deshalb war eine der Hauptforderungen an die Politik die Formulierung verlässlicher Rahmenbedingungen.
  2. Obwohl Europa, gerade auch im Strommarkt immer mehr zusammenwachsen muss, ist die deutsche Energiewende im Alleingang beschlossen und umgesetzt worden. Dabei sind unmittelbar nach der Stilllegung der älteren Kernkraftwerke in Deutschland europaweit die Strompreise gestiegen. Außerdem decken unsere Nachbarländer jetzt einen Teil unseres Strombedarfs ohne zuvor konsultiert worden zu sein.
  3. Während die Ziele zur CO2 Reduktion bis 2020 akzeptiert sind, stoßen die ehrgeizigen langfristigen Ziele der europäischen Energiepolitik, bis 2050 weitestgehend eine Kohlenstoff-freie Stromversorgung zu verwirklichen auf erhebliche Zweifel. Sie betreffen die Belastbarkeit so langfristiger politischer Festlegungen über 40 Jahre im Rückblick an unsere Ziele vor 40 Jahren, als Europa noch voll auf Kernenergie setzte. Außerdem zweifelt man an der langfristigen Belastbarkeit der Aussagen der Klimaforscher. Deshalb stehen die Energie-Fachleute zwar zu einer Vorreiterrolle Europas, halten aber über 2020 hinaus eine starke CO2-Sparpolitik für sinnlos, solange nicht wenigstens alle großen Industrieländer einschließlich Chinas sich auf vergleichbare Anstrengungen verständigen.
  4. Man wünscht sich ein optimiertes Europäisches Konzept, in dem die Länder Europas ihre Stärken ausspielen. Windenergie würde dann vor allem im Norden, Solarenergie überwiegend im Süden Europas eingesetzt, Kernenergie dort, wo die Akzeptanz der Bevölkerung weiterhin gegeben ist.
  5. Die Erneuerbaren Energien sollten sich möglichst bald dem Wettbewerb stellen. Dies wird einerseits ermöglicht durch die steigenden Strompreise, die CO2-Emissionszertifikate und eine weitere Kostensenkung bei den Erneuerbaren Energien. Nicht aufrecht zu erhalten ist nach Ansicht der Energie-Fachleute der Vorrang der Erneuerbaren Energien bei der Einspeisung seit ihre Kapazität so gewachsen ist, dass sie unter günstigen Bedingungen mehr Strom erzeugen als nachgefragt wird.
  6. Die Energiewende, vor allem der rasche Ausbau der Erneuerbaren Energien, hat zu einer erheblichen Unsicherheit für Investitionen und die Suche nach Innovation für fossile Kraftwerke geführt.
  7. Unklarheit besteht über über die wirtschaftlichen Konsequenzen der Energiewende. Zwar sind die Kunden generell bereit, einen höheren Preis für eine Klima-neutrale Stromversorgung zu bezahlen, die Schmerzgrenze liegt hier erfahrungsgemäß jedoch bei einer Steigerung um 10 %, was sicher nicht ausreicht, um die Energiewende zu finanzieren. Gefährlicher noch ist die Situation für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.

1: Der VGB Powertech mit Sitz in Essen ist eine Vereinigung von 466 Unternehmen, die Kraftwerke bauen oder betreiben aus 33 Ländern. Vorsitzender des Vorstands ist Prof. Dr. Gerd Jäger.

Weitere Informationen finden Sie in der Langfassung (pdf, rd. 150 kB).

Hier können Sie die Kurz- und Langfassung zusammen herunterladen (pdf, rd. 150 kB). Dieser Text wurde am 27. September 2011 veröffentlicht.

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