Energie-Fakten -> Archiv -> Beiträge eigener Autoren -> Welche Störfallrisiken birgt die Speicherung größerer Mengen mechanischer oder elektrischer Energie?
Veröffentlicht: 20. Juni 2013

Welche Störfallrisiken birgt die Speicherung größerer Mengen mechanischer oder elektrischer Energie?

Von Rolf Krieg
(
Rolf.Krieg@energie-fakten.de, Lebenslauf)

Kurzfassung


Rolf Krieg
Dr. Rolf Krieg
Dr. Rolf Krieg im Video
Energiespeicher –
Möglichkeiten und Probleme,
Video (3:44 Min),
 
In dem Beitrag Welche Bedeutung hat die Speicherung mechanischer oder elektrischer Energie für unsere Stromversorgung? wurden die erheblichen Schwierigkeiten der Energiespeicherung skizziert. Es ist sehr fraglich, ob die Speicherung unter akzeptablen Bedingungen überhaupt gelingen wird und wie gegebenenfalls die Speicher aussehen könnten. Trotzdem wird hier der Versuch gemacht, die Risiken der Energiespeicherung wenigstens in groben Zügen zu beschreiben.

Gerade die mechanischen Energiespeicher mit ihren meist hohen Wirkungsgraden von 70 % bis 80 % sind besonders problematisch. Auch bei Störfällen wird ein großer Teil der gespeicherten Energie als mechanische, d. h. Schaden erzeugende Energie freigesetzt. Bei Störfällen mit Brennstoffen wird dagegen zunächst nur Wärmeenergie frei, die aus naturgesetzlichen Gründen nur zu einem kleinen Bruchteil in mechanische, Schaden erzeugende Energie umgewandelt wird.

Bei Störfällen mit den bekannten Pumpspeicherkraftwerken spielen Staudammbrüche die wichtigste Rolle. Durch die austretenden Wassermassen können große Gebiete überschwemmt und durch die frei werdende mechanische Energie von Millionen Kilowattstunden riesige Zerstörungen angerichtet werden. Seit Beginn der Industrialisierung sind durch Staudammbrüche Tausende Menschen umgekommen.

Neuere Ideen zur Energiespeicherung haben ebenfalls ihre Tücken. Nach einem eher ausgefallenen Vorschlag soll ein gewaltiger Felszylinder mit den Abmessungen eines größeren Berges angehoben werden. Bei einem Absturz dieses Berges könnte sogar eine mechanische Energie von Milliarden Kilowattstunden schlagartig in die Erde eingeleitet werden mit überhaupt nicht absehbaren Folgen.

Bei einer eher dezentralen Energiespeicherung mit vielen großen Schwungrädern würde beim Bruch eines solchen Rades durch die weggeschleuderten Trümmer nur eine mechanische Energie von vielleicht hunderttausend Kilowattstunden freigesetzt werden. Im Vergleich mit einem schweren Eisenbahnunfall oder einem Flugzeugabsturz, bei dem tausend Kilowattstunden frei werden, ist das immer noch sehr viel und die Folgen sind vielleicht nur mit einem Meteoreinschlag vergleichbar.

Bei den bereits in der Erprobung befindlichen Druckluftspeicherkraftwerken könnten die großen, mit Druckluft beaufschlagten Erdkavernen nach oben durchbrechen mit ebenfalls schwer abschätzbaren Störfallfolgen.

Das häufig diskutierte Wind-zu-Gas-Konzept erlaubt nicht die Speicherung von mechanischer Energie, sondern nur von weniger wertvoller Wärmeenergie. Bei einem Störfall wird deswegen auch kaum Schaden erzeugende mechanische Energie, sondern vor allem Wärmeenergie frei. Die Auswirkungen sind deshalb vermutlich nicht ganz so dramatisch.

Nach den fragwürdigen Maßstäben der Ethik-Kommission, die nach der Tsunami-Katastrophe und den Reaktorunfällen in Japan von der Bundesregierung einberufen wurde, wären die Störfallrisiken der Energiespeicher schwerlich hinnehmbar. Umfangreichere, realitätsnähere Risikoanalysen und Bewertungen könnten vielleicht zu einem anderen, für manche Speichertechniken nicht ganz so ablehnenden Ergebnis kommen. Dies wäre für die Nutzung erneuerbarer Energien sehr wichtig.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 50 kB). Dieser Beitrag wurde am 20. Juni 2013 veröffentlicht.


Ein kostenfreies Programm zur Darstellung und zum Ausdruck von PDF-Dateien und zusätzlichem Browser Plug-In zur On-Line-Darstellung in Ihrem Browser erhalten Sie zum Beispiel unter folgenden Adressen:

Adobe Deutschland

Adobe International

Siehe auch

Quellen

Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.