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Veröffentlicht: 2. Juli 2013

Warum Elektroautos und für wen?

Inhalt

Bei der Betrachtung der Kosten des Elektroautos stellte sich heraus, dass das Elektroauto nicht wirtschaftlicher als konvententionelle Autos ist. Es wurden Fragen nach der Emissionsfreiheit und dem Umweltschutz gestellt. Beantwortet man die Fragen, stellt sich automatisch die Frage: Warum Elektroautos und ein Regierungsprogramm Elektromobilität?

Hoher Benzinpreis: Ist das Elektroauto die Kostenbremse?

Die hohen Benzinpreise erschrecken die PKW-Nutzer bei jeder Tankfüllung. Längst sind die gängigen kostenreduzierenden Tricks wie tagsüber tanken, nur an bestimmten Wochentagen tanken und tanken - egal wie viel tanken, wenn es gerade günstig ist, angesichts konstant hoher Preise nahezu wirkungslos. In der Antwort auf die Frage Hohe Benzinpreise – Welche Möglichkeiten hat der Staat in den Markt einzugreifen? hat der Autor herausgearbeitet, dass der Staat nahezu machtlos dem weltweiten Ölmarkt gegenübersteht und an der Zapfsäule kräftig mitverdient. Einer Reduktion der Energiesteuern, wie in Frankreich, verweigert er sich. Begründungen werden nicht gegeben, sind aber aufgrund der Finanzkrise und der daraus folgenden Belastungen nicht wirklich nötig. Auch die Öffnung der strategischen Erdölreserven würde nur zeitweise das Problem lösen und vielleicht noch Grössere in der Zukunft schaffen.

Angesichts dieser Lage beim Benzinauto wenden sich stets hoffnungsvolle Blicke in Richtung Elektroauto: Doch die Kosten des Elektroautos sind noch zu hoch, wie in der Antwort auf die Frage Was kostet Elektromobilität? Kosten des Betriebs von Elektroautos zusammengestellt wurde. Elektroauto heisst heute noch geringere Höchstgeschwindigkeit, Komfortverlust durch tägliches Nachladen und Unsicherheiten sowie Aufwand für die Recherche von Tankmöglichkeiten bei ferneren oder auch europaweiten Reisen.

Elektroauto: emissionsfrei?

Es wird oft behauptet, das Elektroauto würde emissionsfrei fahren. „Der Strom aus der Steckdose“ wird in Deutschland mit einer durchschnittlichen CO2-Emission von 561 g/kWh erzeugt. [1] Folglich ist das Elektroauto lediglich lokal emissionsfrei. Die Höhe der durchschnittlichen Emissionen ist vom Erzeugungsland abhängig und schwankt in Europa erheblich: Die energiebedingten CO2-Emissionen in Dänemark sind mit 9,2 Tonnen pro Person, gefolgt von Deutschland mit 9,1 Tonnen pro Person sehr hoch. In der Schweiz hingegen liegen sie bei 5,6 Tonnen pro Person. Das EU-27 Mittel liegt bei 7,6 Tonnen pro Person. [2] Ein schweizer Elektroauto fährt also emissionsärmer als ein deutsches Elektroauto, egal ob ein ans Stromnetz angeschlossenes Fotovoltaik-Carport den Strom liefert oder nicht.

Kann man die Nutzung von Elektroautos durch Fotovoltaik-Carports oder selbst betriebene Fotovoltaikanlagen emissionsärmer gestalten?

Kumulierte Emissionen
Kumulierte Emissionen unterschiedlicher Arten der Stromerzeugung (Download pdf, 70 kB, Quelle: [2])
Gesamter Rohstoffaufwand
Gesamter Rohstoff und Materialaufwand bei unterschiedlichen Arten der Stromerzeugung
(Download pdf, 70 kB, Quelle: [2])

Ein Blick auf das Diagramm zeigt drastisch die Reduktion der „Kumulierten Emissionen“ bei unterschiedlichen Arten der Energieerzeugung, die die Herstellung, Errichtung und Abriss der Anlagen mit einbeziehen. Die Fotovoltaikanlage liefert den Strom zu rd. 15 % des CO2-Ausstosses eines Braunkohlekraftwerkes und zu 35 % eines Erdgaskraftwerks. Der Rohstoff- und Materialaufwand für Fotovoltaikanlagen liegt erheblich höher, als der von großen Wind- und (Lauf-) Wasserkraftwerken. Zur Erzeugung von 1.000 MWh Strom werden nach Berechnungen des Instituts für Energiewirtschaft der Universität Stuttgart 4.969 kg Eisen, 281 kg Kupfer und 2.189 Bauxit (für die Erzeugung von Aluminium) benötigt. Für ein (Lauf-) Wasserkraftwerk von 3,1 MW Leitung werden hierfür jedoch nur 2.057 kg Eisen, 5 kg Kupfer und 7 kg Bauxit benötigt. [2]. Da der Rohstoff- und Materialaufwand für Fotovoltaikanlagen vergleichsweise höher als bei Kraftwerken auf Basis von Erdgas, Stein- und Braunkohle und auch Holzkraftwerken ist, ist durch den Übergang auf Fotovoltaikanlagen keine Ressourcenreduzierung möglich, die CO2-Emissionsreduzierung ist mit erhöhtem Materialverbrauch erkauft. Andere Antworten der Energie-Fakten geben Einblicke in wesentliche Aspekte wie Kosten der Erzeugung, Versorgungssicherheit und Anforderungen an die elektrischen Stromnetze, insbesondere die Verteilnetze.

Ist das Elektroauto umweltschonend?

Studie des Öko-Instituts

In der Zeitung taz wurde am 30. Januar ‘12 der Artikel Umweltbilanz von Elektroautos: Öko nur gegen Aufpreis (Link zur taz.de) veröffentlicht in dem auf eine Studie des Öko-Instituts hingewiesen wird. Die taz behauptet darin „Ein neues Gutachten zeigt aber: Ohne Ökostrom sind Elektroautos eine Klimabelastung.“ Die in der taz zitierte Studie wurde auf der Webseite des Öko-Instituts veröffentlicht [3].

Studie des ADAC

Der ADAC lieferte in der ADAC Motorwelt basierend auf dem ADAC EcoTest für die CO2-Bilanz nahezu gleiche Werte für Benziner, Diesel und Elektroauto.

Während der Mazda 3.1.6 Edition mit durchschnittlich 6,3 Litern Benzin einen kraftstoffbedingten CO2-Ausstoss von 171,7 g aufweist, unterbietet der Hyundai i30 1,6 CRDi (durchschnittlich 4,5 Liter Diesel) diesen Wert mit 144,1 Gramm.

Der Volvo C30 Elektric liegt bedingt durch den deutschen Strommix mit einem CO2-Ausstoss von 159,4 Gramm in der Mitte der anderen beiden Wagen. Das E-Auto liegt also hinsichtlich der Kosten höher und in der CO2 Bilanz vergleichbar – oder je nach Studie leicht unter – konventionellen Antrieben.

Was ist umweltschonender als … ?

i.ON ElektroautoAllein „der gesunde Menschenverstand“ zeigt auf, dass für Auto und auch Elektroautos Eingriffe in die Natur nötig sind. Von der Förderung der Materialien, der Lagerung des Abraums, den Transporte, der Verarbeitung, des Betriebs und der Entsorgung sind alle Schritte nicht umweltschonend, wurden aber möglichst umweltschonend gestaltet. Kein Auto ist umweltschonend, auch das Elektroauto nicht. Letztendlich stellt sich die Frage „Was ist umweltschonender als …“ und ob das Benzin oder Elektroauto die beste Lösung gerade für kurze und mittlere Strecken ist, oder ob Alternativen wie Bus, Bahn & Fahrrad nicht eine zumindest brauchbare Alternative sind. Das E-Auto ist daher nicht als umweltschonend zu bezeichnen.

Elektroauto: Zulassungszahlen

Die Bundesregierung wird nicht müde, den Verbrauchern das Elektroauto schmackhaft zu reden. Langsam, sehr langsam zeigen sich auch Taten: nach der Einigung über die Steuerfreiheit (s.o.) für Elektroautos wurde im Sommer '12 das Wechselkennzeichen eingeführt. Ziel der Bundesregierung ist es, 1 Mio. Elektroautos im Jahr 2020 auf Deutschlands Strassen fahren zu sehen. Von diesem Ziel ist man gerade einmal bei 2.044 Neuzulassungen von Elektroautos im Jahr 2011 jedoch noch weit entfernt. Immerhin wurden die Zulassungen des Jahres 2010 in Höhe von 309 Wagen versiebenfacht. Diese Tendenz der Steigerungsrate scheint sich jedoch angesichts von 826 Neuzulassungen in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 nicht fortzusetzen. [4] Angesichts der hohen Kosten für das Elektroauto wird es recht schwer, dem Deutschen das teurere Autofahren zu vermitteln, wechselt er doch für 10 Cent Rabatt auf ein Päckchen Butter das Geschäft.

Zwischenfazit

Wenn das Elektroauto also nicht wirtschaftlicher als konvententionelle Autos, nicht emissionsfrei, nicht umweltschonend ist und es „keiner“ bezahlen will: Warum dann Elektroautos und ein Regierungsprogramm Elektromobilität?

Derzeit werden in Deutschland 51,8 Fahrzeuge pro 100 Einwohner gefahren, in China sind dies 2,9 und in Indien 0,8 Fahrzeuge pro 100 Personen. [ADAC Motorwelt 9/12] Gerade in diesen wirtschaftlich aufstrebenden Ländern kann es durch eine Veränderung der Lebensweise aufgrund wachsenden Wohlstands zur

  • Erhöhung der Anzahl der Fahrzeuge pro 100 Einwohner ,
  • Erhöhung der durchschnittlichen Kilometerleistung pro Wagen ,
  • Erhöhung des Durchschnittsverbrauchs kommen.

Deutschland mit seinen in den letzten Jahren sinkenden durchschnittlichen Treibstoffverbrauch [5] und zukünftig aufgrund der älter werdenden Bevölkerung sinkenden Jahresfahrleistungen pro KFZ ist somit nicht richtungsweisend in der Welt. [6] Mit drei grossen Automobilkonzernen ist Deutshland mittlerweile wesentlich vom Export der Wagen abhängig. Als rohstoffarmes Land sind Bildung, Erfinder- und Entwicklergeist wesentliche Bestandteile des Erfolgsfaktors Deutschland. Daher scheint es logisch, dass die Bundesregierung den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität aufgestellt hat, und die Entwicklung der Mobilität der Zukunft zu stimulieren, auch wenn die Binnennachfrage schwächelt.

Durchschnittlicher Flottenverbrauch – ein Maßstab der EU

Die EU-Kommission hat den PKW-Herstellern jedoch einen strengen Flottenverbrauch von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer bis 2020 vorgeschrieben. Dieser CO2-Ausstoss entspricht einem Verbrauch von 4 Litern Benzin auf 100 km. Nach den ersten Obergrenzen, die im Jahr 2009 in Kraft traten, lag der CO2-Ausstoss aller Flotten der deutschen Herstellen bei 141,8 g/km im Jahr 2012. Man ist also noch meilenweit von den Zielen entfernt und es drohen hohe Strafen durch die EU bei Verletzung des Ziels. [7, 8]

Elektroautos reduzieren im Jahr 2013 die in den Flottenverbrauch eingehenden Autos um 3,5 Einheiten. Dieses mehrfache Anrechnen von emissionsschwachen Autos oder Elektroautos nennt man Supercredits. Im Ausland sind aber gerade leistungsstarke Wagen und SUVs gefragt. Es ist daher logisch, dass die Hersteller für die Anhebung des Berechnungsfaktors kämpfen. Und so wundert es nicht, das Daimler-Chef Zetsche bei der Vorstellung des Elektro-Smart bei der IAA in FFM im Herbst 2011 betonte, dass man mit dem Verkaufspreis für Auto (und Leasingpreis für die Batterie) noch „kein Geld verdienen könne“. Trotzdem dementieren die Hersteller, dass Elektroautos nur aus diesen Gründen angeboten würden. [7]

Fazit

Elektroautos helfen der Automobilindustrie – einem der großen Arbeitgeber Deutschlands – wettbewerbsfähig zu bleiben. Die EU-Kommission bringt es auf den Punkt: „Die europäischen Vorgaben werden langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie steigern helfen, denn die Zukunft gehört effizienten Fahrzeugen – in Europa wie weltweit.“ Wir Nutzer werden also noch viel vom Elektroauto hören, wenngleich wir wenige fahren sehen werden, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.


Die Bedeutung des Elektroautos für die Energiewende wurde in diesem Beitrag nicht betrachtet. Hierzu ist ein eigener Beitrag in Vorbereitung. Informationen zu den Auswirkungen der Regelung auf den zukünftigen Verkaufspreis der neuen „hochgezüchteten“, also effizienteren Autos verweist der Autor auf den Kommentar der db-research: CO2-Grenzwerte für Autos: Augenmaß angezeigt! (Link zu dbresearch.de)

Siehe auch

Screenshot Popp Video ElektromobilitätElektromobilität im Energie-Konzept der Bundesregierung Video mit Prof. Dr. Popp (rd. 2:40 Min)
Elektromobilität ist wichtiges Element des Energiekonzepts der Bundesregierung, Vorteile der Elektroautos und Förderung, Elektroauto als Stromspeicher oder Energiespeicher … zum Video

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Entwicklung der spezifischen Kohlendioxid-Emissionen des deutschen Strommix 1990-2009 und erste Schätzung 2010
  2. Wege der Energiewirtschaft zu einer nachhaltigen Energieversorgung
  3. Attraktivität und Akzeptanz von Elektroautos (pdf, rd. 1 MB, Link zu oeko.de); Arbeitspaket 1 des Projekts OPTUM: Optimierung der Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen Anhang zum Schlussbericht im Rahmen der Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Elektromobilität des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit“.
  4. Die Bedeutung des Automobils für die Energiewende, Vortrag von Prof. Dr. Ferdinant Dudenhöfer (CAR - Center Automotive Research, Universität Duisburg-Essen) beim Ostdeutschen Energieforum am 11. Mai 2012 in Leipzig
  5. Kraftstoffverbrauch
    Der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor insgesamt ist in den letzten 10 Jahren leicht gesunken. … zum Artikel beim Umweltbundesamt.de
  6. DAT Report 2011
  7. Elektromobilität für den Flottenverbrauch (Link zu marktundmittelstand.de)
  8. Die EU-Verordnung zur Verminderung der CO2 - Emissionen von Personenkraftwagen
    (pdf, Link zu bmu.de)

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