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Veröffentlicht: 25. Juli 2011; aktualisiert: 04. Jan. 2012

Wie unabhängig und neutral sind die Energie-Fakten?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
 
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Antwort

Ob die Energie-Fakten irgendwelche Interessen vertreten, wird immer wieder gefragt, entweder, weil der eine oder andere unserer Autoren irgend einem „nicht neutralen“ Verein angehört oder bei einem Unternehmen der Energiewirtschaft beschäftigt war oder ist – oder einfach, weil manche Aussage nahe an der Auffassung von Unternehmen oder Verbänden der Energiewirtschaft liegt.

Die Unabhängigkeit der Energie-Fakten liegt zunächst in meiner Verantwortung als Herausgeber. Ich selbst bin natürlich abhängig, nämlich abhängig von dem, was ich in meinem Leben gelernt und erfahren habe. Als Physiker habe ich die Grundlagen der Energie-Umwandlung und ihrer Grenzen verinnerlicht, als Professor für Infrastrukturplanung kenne ich die Planungs- und Umsetzungsprobleme, als Leiter der Energieforschung des Bundes von 1973 bis 1987 kenne ich die Kernenergie, mit der die Energieforschung begann, und die erneuerbaren Energien und Technologien der rationellen Energieverwendung seit es sie gibt, denn ich durfte diese neuen Forschungsgebiete starten, als Staatssekretär für Umwelt und Reaktorsicherheit in Hessen habe ich auch die Kehrseiten der Energietechnik kennengelernt und als Chef eines der größten Forschungszentren in Deutschland, das auch viele Energie-Themen bearbeitet, einen Einblick in die besonders langsamen Innovationsprozesse in der Energietechnik bekommen. Aber von wirtschaftlichen Interessen bin ich unabhängig und genieße die Freiheit, die man als pensionierter Beamter hat.

Ähnliches gilt für unsere anderen Autoren. Auch sie haben in Lehre und Praxis umfassende Kenntnisse und Erfahrung im Energie-Bereich gesammelt, die ihre Einschätzung prägen. Aber auch sie vertreten keine wirtschaftlichen Interessen. Das gilt auch für die Energie-Fakten als Ganzes. Wir finanzieren uns aus Spenden und, weil dies nicht reicht für einen modernen Internetauftritt, neuerdings auch über Werbeeinnahmen, aber die Interessen unserer Spender oder Werbe-Kunden, haben genauso wenig Einfluss auf den Inhalt, auf die Wahl der Themen oder die Aussagen, wie bei jedem anderen seriösen Presseerzeugnis. Eine Werbung in den Energie-Fakten bedeutet auch nicht, dass wir das Anliegen des Werbenden unterstützen.

Die Energie-Fakten geben den heutigen Stand der Wissenschaft und Technik in allen Energiefragen wieder. In allen Fragen, in denen die Diskussion in Wissenschaft und Technik abgeschlossen ist, kann sich der Leser auf die Korrektheit unserer Aussagen verlassen. Wo es auch in Fachkreisen unterschiedliche Auffassungen gibt, etwa über die Chancen und Risiken einer Abtrennung und Langzeitspeicherung von CO2, versuchen wir, alle Fakten und Argumente nach Möglichkeit durch verschiedene Autoren darzustellen und persönliche Einschätzungen als solche kenntlich zu machen.

Was motiviert uns, die Energie-Fakten zu machen? Wir alle sehen mit Sorge, dass wir bei der Sicherung der Energieversorgung und der Modernisierung des Energiesystems in Deutschland vor großen Herausforderungen stehen, aber das Thema Energie in Deutschland viele Kontroversen verursacht und Wunsch und Wirklichkeit manchmal weit auseinanderklaffen. Zwar ist mit der Energie-Wende dieses Jahres die jahrzehntelange Kontroverse um die Kernenergie im Grundsatz beendet, doch wird die noch ausstehenden Entsorgung der radioaktiven Abfälle und der Stilllegung und Beseitigung der Kernkraftwerke nicht ohne weitere Auseinandersetzungen verlaufen. Auch der Ersatz der Kernenergie, vorrangig durch Erneuerbare Energien, wird wegen der wirtschaftlichen Konsequenzen und des erforderlichen Ausbaus des Netzes nicht ohne Konflikte verlaufen. Eine Kontroverse besonderer Art besteht bis in Kreise der Energiewirtschaft hinein in der Klimafrage. Hier gibt es einzelne Personen und Gruppierungen, die die Aussagen über eine Erderwärmung durch Treibhausgase aus dem Energiesystem bezweifeln oder sogar für gänzlich unberechtigt halten. Darunter sind allerdings nur wenige Experten der Klimaforschung, denn die stimmen zumindest in der Tendenz den Aussagen des IPCC fast vollständig zu. Auch fällt auf, dass selbst Staaten, wie die USA oder China, die dem internationalen Druck nicht nachgeben und keine energiewirtschaftlichen Maßnahmen zur Verminderung der prognostizierten Erderwärmung ergreifen wollen, die IPCC-Modellierungen nicht grundsätzlich in Frage stellen. Andererseits sind diese Aussagen des IOPCC wissenschaftliche Theorien, über die eine Diskussion natürlich zulässig sein muss, freilich nur in der gebotenen sachlichen Form unter persönlicher Achtung des Andersdenkenden.

Die Autoren der Energie-Fakten wollen ihr Fachwissen weitergeben, um jedem zu ermöglichen, sich ein eigenes Urteil über Chancen und Risiken, ökonomische und ökologische Fragen, etablierte Techniken und ihre Zukunftsalternativen zu bilden. Dazu liefern wir Fakten. Wir wollen niemandem unsere Meinung aufzwingen, auch wenn sie manchmal durch unsere Texte durchschimmern mag, wir sind ja schließlich auch Menschen.

Wenn es überhaupt einen Trend in den Energie-Fakten gibt, dann den eines ausgeprägten Realismus, den manche auch als desillusionierend empfinden mögen. Das liegt an unseren Erfahrungen. Wir kennen den Energie-Bereich und seine Gesetzmäßigkeiten. Wir wissen, dass wir es mit extrem langfristigen Prozessen zu tun haben, denn Aufbau und Veränderung der Energie-Infrastruktur bemessen sich nach Jahrzehnten, weil jede Komponente, sei es ein Kraftwerk oder ein Teil des Netzes Betriebsdauern von mehr als einem halben Jahrhundert hat. Innovationszyklen von 5 Jahren, wie wir sie von Handys und Computern kennen, sind dem Energie-Sektor fremd. Unser heutiges Handeln wirkt sich deshalb hauptsächlich für kommende Generationen aus; dies erfordert verantwortungsbewusste, realitätsbezogene Entscheidungen. Wenn wir mit den Energie-Fakten dazu ein wenig beitragen können, ist das unsere schönste Belohnung.

Siehe auch:

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