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 Veröffentlicht: 27. Juli 2006; Aktualisiert: Juli 2010

Die dänische Energiewirtschaft –
ein Modell für Deutschland?

Von Martin Dehli (Lebenslauf; Link zur Hochschule Esslingen)
(Martin.Dehli@energie-fakten.de)Prof. Dehli

Kurzfassung

Die stark staatlich gelenkte dänische Energiewirtschaft wird mitunter als Vorbild für Deutschland hingestellt. Bei näherer Betrachtung zeigen sich interessante Entwicklungen, aber auch Besonderheiten, Schwächen und in jüngerer Zeit die Abkehr von früheren Bestrebungen.

Dänemark hat etwa die gleiche Fläche wie Niedersachsen, mit 5,3 Millionen aber nur etwa zwei Drittel so viel Einwohner. Der Energieverbrauch je Einwohner und Jahr ist etwas niedriger als in Deutschland. Zu 81 % und damit ähnlich wie hierzulande beruht die Energieversorgung auf fossilen Brennstoffen: nämlich zu 39 (34) % auf Mineralöl, zu 20 (22) % auf Erdgas und zu 22 (24) % auf Kohle; 19 (7) % kommen aus regenerativen Energien (Zahlen für 2008, in Klammern Werte für Deutschland).

Mit rund 10 Tonnen je Einwohner und Jahr (2005/2006) liegt Dänemark bei den spezifischen CO2-Emissionen etwa gleichauf mit Deutschland, obwohl es nicht wie Deutschland über eine nennenswerte Schwerindustrie und andere energieintensive Wirtschaftszweige verfügt. Diese vergleichsweise erheblichen spezifischen CO2-Emissionen sind u. a. die Folge des Verzichts auf Kernenergie. Das Klima-Risiko wird jedoch wegen eines möglichen Anstiegs des Meeresspiegels sehr ernst genommen. In den neunziger Jahren formulierte deshalb die dänische Regierung sehr ehrgeizige Ziele, um den Beitrag der regenerativen Energien zu erhöhen, die Energie-Effizienz weiter zu verbessern und den Steinkohlen-Einsatz zu vermindern.

Die dänische Stromwirtschaft ist teilweise noch „von unten nach oben“ aufgebaut. Die regionalen und örtlichen Stromnetze gehören regionalen Gesellschaften und diese wiederum Stadtwerken und lokalen Gesellschaften. Das setzt dem Wettbewerb in der Praxis Grenzen. Mit 7.217 MW waren im Jahr 2008 etwa 56 % der Kraftwerksleistung in großen zentralen Anlagen installiert, die zumeist – u. a. wegen der Möglichkeit zur günstigen Meerwasserkühlung – an der Küste liegen und mit Importkohle befeuert werden.

Die meisten dieser Anlagen können Strom und Wärme gekoppelt erzeugen; sie sind überwiegend im Eigentum der beiden Unternehmen Dong Energy und Vattenfall. Die öffentlichen Kraftwerke und Heizkraftwerke setzten 2008 zu 76 % Steinkohle und zu 14 % Erdgas ein; sie deckten 59 % der Stromerzeugung in Dänemark ab. Dazu kommen insgesamt 1.829 MW in dezentralen Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung – KWK – (im Wesentlichen Blockheizkraftwerke) und 3.166 MW in Windkraftwerken, 596 MW in anderen Anlagen. Windkraft trug 2008 20 % zum Stromangebot bei.

An der Wärmeversorgung hat die Fernwärme mit etwa der Hälfte einen überdurchschnittlich hohen Anteil. Rund 40 % der Wärme für die Raumheizung stammten in den vergangenen Jahren aus KWK-Anlagen, davon wiederum der größere Teil aus zentralen Heizkraftwerken. Entsprechend hoch ist der Prozentsatz des über die Kraft-Wärme-Kopplung erzeugten Stroms. Die Entwicklung dahin wurde über künstlich hoch gehaltene Öl- und Gaspreise sowie hohe Strom-Einspeisevergütungen gelenkt. Energie wird in Dänemark generell stark besteuert. Bis 2000 konnten die Belastungen durch niedrige Preise für Importkohle und die günstige Erzeugungsstruktur aufgefangen werden.

Die 2001 gewählte dänische Regierung hat ihr Augenmerk stärker auf die Kosten gerichtet. Die kostspielige Förderung regenerativer Energien wurde deutlich reduziert. Windstrom muss nicht mehr vorrangig in das Netz aufgenommen werden. Er wird an der Nordischen Strombörse vermarktet; da er teurer ist als Kohlestrom, erhalten die Windstromerzeuger eine finanzielle Unterstützung.

Als Modell für Deutschland ist die dänische Energiewirtschaft nur begrenzt geeignet.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.
Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden ( pdf, 88 kB). Dieser Beitrag wurde am 27. Juli 2006 veröffentlicht und im Juli 2010 aktualisiert.

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