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 Veröffentlicht: 15. November 2007; Aktualisiert: September 2010

Energiewirtschaftliche Entwicklungen in China

Von Martin Dehli
(
Martin.Dehli@energie-fakten.de, Lebenslauf Link zur Hochschule Esslingen)

KurzfassungDehli

China hat sich im Rahmen seines wirtschaftlichen Modernisierungsprozesses den marktwirtschaftlichen Grundsätzen teilweise geöffnet. Dem Ziel, eine deutliche Verbesserung der Lebensverhältnisse zu erreichen, ist man in den letzten Jahren aufgrund eines anhaltend hohen Wirtschaftswachstums näher gekommen. Dabei spielt die Erneuerung und der Ausbau der Energiewirtschaft eine wesentliche Rolle.

Mit etwa 1,31 Milliarden Menschen (Stand Ende 2005) ist China der bevölkerungsreichste Staat der Erde. Das reale Bruttoinlandsprodukt Chinas nahm zwischen 1980 und 2005 auf mehr als das Achtfache zu; der Außenhandel wuchs auf etwa das Sechzehnfache. Die hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten in den achtziger und neunziger Jahren von jährlich mehr als 9 % setzten sich bis in die Gegenwart fort.

Die Volksrepublik China ist heute – nach den USA – der zweitgrößte Primärenergieverbraucher der Welt: China benötigte im Jahr 2007 etwa 5,9-mal so viel Primärenergie wie Deutschland. (Das Verhältnis der Einwohnerzahlen beider Staaten liegt bei rund 16 zu 1.) 2007 entfielen mit 82,5 Exajoule (EJ) bzw. 4,81 Milliarden Tonnen Steinkohleeinheiten (Mrd. t SKE) etwa 16,4 % des Weltenergieverbrauchs von 503,6 EJ (17,2 Mrd. t SKE) auf China. Das Land deckte im Jahr 2007 über Kohle (überwiegend Steinkohle und ergänzend Braunkohle) mit 69 % den Hauptteil des Primärenergieverbrauchs ab; daneben trugen Mineralöl mit 21 %, Wasserkraft mit 7 % und Erdgas mit 3 % zur Primärenergieversorgung bei. China kann mit Kohle und Wasserkraft in großem Umfang heimische, meist kostengünstig gewinnbare Energieträger nutzen: An der weltweiten Förderung von Steinkohle hatte das Land im Jahr 2007 mit 1,83 Mrd. t SKE einen Anteil von 44,3 %. Dagegen waren 2007 die Anteile Chinas an der Welt-Erdölförderung mit 4,7 % und an der Welt-Erdgasförderung mit 2,3 % begrenzt; der Anteil an der Welt-Wasserkraftnutzung lag 2007 bei 13,7 %. Aufgrund ihrer großen Vorräte werden Stein- und Braunkohle auch langfristig eine beherrschende Stellung bei der chinesischen Energieversorgung einnehmen. Daneben könnte die Wasserkraft weiter an Bedeutung gewinnen, denn gegenwärtig werden erst 27 % des umfassenden chinesischen Wasserkraftpotenzials von rund 380.000 MWe genutzt.

Der wachsende Anteil Chinas am weltweiten Primärenergieverbrauch spiegelt sich in den energiebedingten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) wider, die im Jahr 2008 das etwa 7,9-fache der CO2-Emissionen Deutschlands betrugen: 2008 entfielen mit 6,81 Milliarden t CO2 etwa 21,6 % der Welt-CO2-Emissionen von 31,51 Milliarden t auf China.

Beim Verhältnis von Primärenergieverbrauch zum Bruttoinlands-produkt weisen hoch industrialisierte Staaten wie Japan mit 4,1 GJ/1000 US-$ und Deutschland mit 6,7 GJ/1000 US-$ sowie – mit gewissen Einschränkungen – auch die USA mit 8,5 GJ/1000 US-$ recht günstige Werte auf; dagegen liegt der Kennwert für China mit 31,4 GJ/1000 US-$ – trotz längerfristig abnehmender Tendenz – noch sehr hoch (Zahlen für 2007). Dies weist auf einen erheblichen, bisher noch wenig genutzten Spielraum für Energieeinsparungen und Maßnahmen zur rationelleren Energieverwendung in China hin.

Bei der Stromerzeugung liegt China – hinter den USA – inzwischen an zweiter Stelle; die jährliche Stromerzeugung war 2007 5,2 mal so hoch wie in Deutschland. 2007 entfielen mit rund 3.320 Mrd. kWhe 16,7 % der Weltstromerzeugung von etwa 19.850 Mrd. kWhe auf China. Im Jahr 2003 lag die installierte Kraftwerksleistung bei 391.400 MW (Deutschland: 127.300 MW). 2003 war 74,0 % der Kraftwerksleistung in konventionellen thermischen Kraftwerken (ganz überwiegend in Kohlekraftwerken), 24,4 % in Wasserkraftwerken, 1,6 % in Kernkraftwerken und knapp 0,2 % in Windkraftanlagen installiert. 2003 wurden 82,9 % des Stroms in konventionellen thermischen Kraftwerken (ganz überwiegend in Kohlekraftwerken), 14,8 % in Wasserkraftwerken, 2,2 % in Kernkraftwerken und knapp 0,1 % in Windkraftanlagen erzeugt. China verfügte im Jahr 2003 über Stromtransportnetze auf den Spannungsebenen 35 kV, 110 kV, 220 kV, 330 kV und 500 kV von insgesamt etwa 880.000 km, wobei der größte Teil hiervon Drehstromnetze waren; knapp 3.800 km waren Höchstspannungs-Gleichstromübertragungsleitungen auf der 500-kV-Ebene.

Im Jahr 2003 trat eine Reform der staatlichen chinesischen Stromwirtschaft in Kraft: Eine staatliche Elektrizitätsregulierungskommission überwacht seither die Einhaltung von Regeln, die der Förderung des Wettbewerbs und dem erleichterten Netzzugang dienen sollen. Hauptpunkt war die Entflechtung von Stromerzeugung und Stromtransport; dies sollen getrennte Unternehmen sicherstellen.

Das starke Wirtschaftswachstum in China hat zu teilweise massiven Umweltauswirkungen geführt. Es besteht die Sorge, dass diese Entwicklung sich weiter fortsetzen wird. Die hohen jährlichen CO2-Emissionen haben im Jahr 2008 diejenigen der USA überstiegen. Inzwischen nimmt die politische Führung Chinas mehr und mehr die damit zusammenhängenden Fragen wahr: 2007 gab diese zum ersten Mal einen nationalen Bericht zum Klimawandel heraus.

Die Emissionen von Schwefeldioxid (SO2), Stickoxiden (NOx) und Kohlenmonoxid (CO) wirken sich auf die Lebensbedingungen nicht zuletzt in Großstädten aus. Die chinesische Führung geht bis 2030 von einem Zuzug von etwa 400 Millionen Menschen von ländlichen Gebieten in Großstädte aus; damit wird der Ener-gieverbrauch je Kopf der Bevölkerung weiter zunehmen. Die mit der Verstädterung zu lösenden Fragen betreffen u. a. den Wohnungsbau und die Wasserversorgung: Etwa die Hälfte aller Wohnungen, die bis 2030 weltweit entstehen, werden in China gebaut werden; die Gebäudetechnik in China gilt allerdings als nicht sehr energieeffizient. Bei der Wasserversorgung sollen 440 von 660 Städten dauerhaft über zu wenig Wasser verfügen. Schätzungen für das Jahr 2020 gehen von einem Bestand Chinas von dann etwa 130 Millionen Personenkraftfahrzeugen aus.

Studien kommen zu dem Schluss, dass die Umweltschäden insgesamt die chinesische Volkswirtschaft jedes Jahr zwischen 8 und 12 % des Brutto-inlandsprodukts kosten. Die chinesische Führung strebt deshalb u. a. die folgenden Ziele an: Verminderung des Energieverbrauchs je Bruttoinlandsprodukt durch den Einsatz effizienterer Techniken in den kommenden Jahren um 20 %; Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien; Ausbau der Kernenergienutzung; Senkung der SO2-Emissionen innerhalb von 5 Jahren um 10 %; Erhöhung der Umweltschutzinvestitionen von 1,3 % auf 1,6 % des Bruttoinlandsprodukts.

Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, 119 kB). Dieser Beitrag wurde am 15. November 2007 veröffentlicht und im September 2010 aktualisiert.

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