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Veröffentlicht: 8. November 2001

Welchen Beitrag können die regenerativen Energien leisten?

Von Eike Roth
(
Eike.Roth@energie-fakten.de, Lebenslauf)

Antwort: Einen großen, für Klimaschutzzwecke aber trotzdem zuwenig!

KurzfassungRoth

Regenerative Energien sind alle jene Energien, die sich von selbst erneuern, also praktisch unerschöpflich sind, solange sie nicht stärker genutzt werden, als ihrer Erneuerungsrate entspricht. In der Praxis gelten wesentlich engere Grenzen. Diese können zwar verschoben werden, jedoch nur relativ langsam. Der mögliche Beitrag hängt also nicht nur vom Bedarf und vom Preis ab, den wir für die Regenerativen zu bezahlen bereit sind, sondern auch vom Betrachtungszeitraum, für den die Frage beantwortet werden soll.

Energieformen: Regenerative Energien sind grundsätzlich alle Formen der Sonnenenergie (Fotovoltaik, Wind, Wasser, Biomasse etc.), Gezeitenenergie und Erdwärme. Nicht regenerativ sind Kohle, Öl, Gas (die „fossilen Energien“) und Kernenergie, obwohl letztere (Spaltung, Fusion) für unsere Bedürfnisse ebenfalls praktisch unerschöpflich ist.

Energieverbrauch: Heute leben ca. 6 Milliarden Menschen auf der Erde. Sie verbrauchen jährlich etwa 12 Mrd. Tonnen Steinkohleeinheiten (t SKE) an (kommerzieller) Energie. Hinzu kommen noch noch etwa 2 Mrd. t SKE pro Jahr an so genannter „nicht kommerzieller Energie“, im wesentlichen Feuerholz und Viehdung. Aufgrund des nach wie vor starken Bevölkerungswachstums und zum Abbau von Hunger und Elend in weiten Teilen der Erde ist auf jeden Fall – trotz aller Sparanstrengungen – noch mit einer starken Zunahme des Weltenergieverbrauches zu rechnen. Eine Verdoppelung innerhalb der nächsten etwa 50 Jahre scheint unausweichlich zu sein, wenn die Welt in einen gerechteren Zustand (möglichst gleiche Chancen für alle Menschen) überführt werden soll.

Deckung des Energiebedarfes: Der kommerzielle Weltenergieverbrauch wird zu etwa 88 % von den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas und zu je etwa 6 % von der regenerativen Wasserkraft und von der Kernenergie gedeckt. Andere Energieformen sind derzeit statistisch noch unbedeutend. Die „nicht kommerzielle Energie“ entspricht nur im Prinzip regenerativen Energieformen, tatsächlich wird sie weitüber der Regenerationsrate verbraucht. Hier findet – armutsbedingt – eine wesentliche Übernutzung der Natur statt. Verstärkt wird diese noch durch die – ebenfalls z. T. armutsbedingte – Brandrodung von Wäldern, insbesondere der tropischen Regenwälder.

Prognose: Eine Prognose über den zukünftigen Anteil der regenerativen Energien ist schwierig (siehe Langfassung dieses Artikels). Haupthindernisse für die Nutzung der Sonnenenergie sind ihre Unbeständigkeit (Tag/Nacht, Wetter, Jahreszeiten, Klimazonen) und ihre geringe Konzentration. Die Unbeständigkeit erfordert für eine verstärkte Nutzung Speicher, die es in geeigneter Form noch nicht gibt und die auf jeden Fall Geld kosten und den Gesamtwirkungsgrad deutlich verschlechtern. Die geringe Konzentration erfordert einen Sammelprozess. Wird dieser uns kostenlos von der Natur geliefert, ist Sonnenenergie prinzipiell effektiv und wirtschaftlich nutzbar. Paradebeispiel hierfür ist die Wasserkraft: Die Sonne verdunstet Wasser auf einer großen Fläche, es regnet in einer ganzen Region, das Wasser fließt in Bächen und Flüssen zusammen, und wo auch noch eine geeignete Geländeform vorhanden ist, ist Wasserkraft „möglich“. Das Gegenteil dazu ist die Fotovoltaik: Bei dieser muss der komplette Sammelprozess vom Menschen geleistet (und bezahlt!) werden, dafür ist sie aber – jedenfalls prinzipiell – überall nutzbar. Der Sammelprozess wird immer teuer sein und er bewirkt ein relativ schlechtes Verhältnis von aufzuwendender zu gewinnbarer Energie. Windenergie und die meisten anderen Formen der Sonnenenergie liegen zwischen diesen beiden Extremen. Generell gilt: Je mehr Vorkonzentration die Natur uns liefert, desto wirtschaftlicher und effektiver können wir die Sonnenenergie nutzen, aber umso seltener sind die Möglichkeiten hierzu gegeben.

Hier können Sie die Langfassung des Artikels herunterladen (pdf, rd. 40 kB).

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 40 kB). Dieser Beitrag wurde am 8. November 2001 veröffentlicht.

Siehe auch

  • "Sonnenenergie: Was sie bringt - Was sie kostet", von Eike Roth
    Friedmann Verlag München, 1999, ISBN 3-933431-05-0
  • "Globale Umweltprobleme - Ursachen und Lösungsansätze" von Eike Roth
    Friedmann Verlag München 2004, ISBN -933431-31-X

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