Energie-Fakten -> Herausgegriffen -> Was bringt das neue EEG?
Veröffentlicht: 25. März 2013

Was bringt das neue EEG?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Die neue, von der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD gebildete Bundesregierung hat beschlossen, das Gesetz über die Förderung der erneuerbaren Energien (EEG) zu reformieren. Der Grund dafür ist die wachsende Kritik an den ausufernden Kosten.

Man kann leicht ausrechnen, was das EEG bisher gekostet hat. Es ist gesetzlich festgelegt, dass die jeweils geltende Vergütung 20 Jahre lang nach dem Jahr der Investitionen unverändert gezahlt wird. Für Anlagen, die im Jahr 2000 gebaut wurden, gilt diese Vergütung also bis 2021, für Anlagen, die in diesem Jahr gebaut werden, ist sie bis 2035 festgeschrieben. Jahr für Jahr legt sich also eine um ein Jahr versetzte neue Schicht auf das Kostengebirge des EEG, das erst nach 2020 langsam wieder abfallen wird. [1] Die Gesamtsumme der Kosten, die zwischen 2000 und 2035 bezahlt werden müssen, beträgt 495 Mrd. Euro. Das EEG 1.0, wie es jetzt genannt wird, hat also Gesamtkosten in Höhe von fast einer halben Billion Euro verursacht, von denen der weitaus größere Teil noch vor uns liegt. Erstaunlich ist, dass diese so auffallend runde Zahl bisher unbekannt ist, man hat sie uns wohl vorsichtshalber verschwiegen.

Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien, deren Anteil an der Stromerzeugung bis 2025 auf 40-45 % und bis 2035 auf 55-60 % steigen soll, soll nun durch das reformierte „EEG 2.0“ gefördert werden. Betrug die durchschnittliche Erstattung der Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien im EEG 1.0 noch 17 Cent, so soll sie im EEG 2.0 auf 12 Cent sinken. Da eine konventionell erzeugte Kilowattstunde rund vier Cent kostet, vermindert sich so die durchschnittliche Erstattung um knapp 40 %. Die jährlichen Kosten des EEG verringern sich also von weit über 20 Milliarden € auf knapp 15 Milliarden €. Bei deren Umlage sollen die Privatkunden weiter entlastet werden, indem die Ausnahmen auf energie-intensive Industriebranchen begrenzt werden. Diese Maßnahme dürfte kaum mehr als eine Ersparnis von 1 Cent pro Kilowattstunde bringen, birgt aber erhebliche Risiken für den Industriestandort Deutschland. Denn bereits 2013 sind trotz guter Wirtschaftslage die Inlandsinvestitionen nicht gewachsen; in unseren Nachbarländern können die Betriebe ihre Stromkosten fast halbieren.

Allerdings kommen durch die Förderung der erneuerbaren Energien weitere Kosten auf den Stromverbraucher zu, die nicht direkt vom EEG verursacht werden. Dabei handelt es sich um einen neuen „Kapazitäts-Mechanismus“, mit dem die Verfügbarkeit von Reserve-Kraftwerken gesichert wird, die auch dann vorgehalten werden müssen, wenn sich ihr unregelmäßiger Betrieb nicht mehr rentiert. Außerdem kommen noch die Kosten des Netzausbaus hinzu, die auch den Systemkosten der erneuerbaren Energien zugerechnet werden müssen. Es spricht also viel dafür, dass Deutschland seinen zweifelhaften 2. Rang bei den Stromkosten im weltweiten Vergleich (nur in Dänemark ist der Strom noch teurer) verteidigen wird.

Seit 2013 besteht die Stromrechnung zu über 50 % aus Steuern und Abgaben, nämlich aus dem EEG, Konzessionsabgaben, der Umsatzsteuer und weiteren kleineren Umlagen – und aus der Ökosteuer, die etwa 2 Cent pro kWh beträgt. Sie wurde 1998 von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt, um Sozialleistungen finanzieren zu können, vor allem aber bewusst, um die Strom teurer zu machen. Das ist inzwischen durch das EEG weit besser gelungen, so dass man auf die Ökosteuer auch verzichten könnte. Aber der Staat gewöhnt sich rasch an Steuern, und deshalb wird über dieses Thema vorsichtshalber auch nicht gesprochen.

Quellen

  1. Manfred Popp, Deutschlands Energiezukunft – Kann die Energiewende gelingen,
    Wiley VCH Verlag

Siehe auch

  1. Wie setzen sich die Strompreise zusammen?
  2. Was ist und was bringt die Ökosteuer?
  3. Reservekraftwerke: Inwieweit ist die – momentane – Stromerzeugung der unterschiedlichen Kraftwerke, insbesondere die der Regenerativ-Kraftwerke, den typischen Lastbereichen des Strombedarfs zuordenbar (Strommanagement)?
  4. Verstehen Sie das EEG und die Strompreise? Stromversorgung im Strompreis-Irrgarten
    Steigende Strompreise werden immer mehr zum Ärgernis. Die Vorwürfe an die vermeintlichen Verursacher dieser Entwicklung, sind wohlfeil. Es sind immer die Anderen. Die Vorwürfe sind oft widersprüchlich oder sind falsch. Die am 18. Jan. '14 von Minister Gabriel bekannt gewordenen Absichten zur Verminderung der ständigen steigenden Strompreise, überzeugen nicht. Solange die „Erneuerbaren“ Vergütungen erhalten, die erheblich über den Erzeugungskosten der konventionellen Kraftwerke liegen, wird auch die EEG-Umlage grundsätzlich steigen müssen. … mehr im Blog von Eberhard Wagner bei WordPress.com
  5. Bereich Energiekosten der Energie-Fakten.de
  6. Bereich Steuern und Abgaben der Energie-Fakten.de

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