Energie-Fakten -> Allgemein interessierende Antworten auf Fragen von Lesern -> Was bringt der jüngste Bericht des UNO-IPCC Neues?
Veröffentlicht: 19. Nov. 2013

Was bringt der jüngste Bericht des UNO-IPCC Neues?

Manfred Popp
Prof. Dr. M. Popp
Von
Manfred Popp (Manfred.Popp@energie-fakten.de)

Die 1. Arbeitsgruppe des von den Vereinten Nationen eingesetzten „International Panels on Climate Change“ (IPCC), die sich mit der wissenschaftlichen Basis der Weltklimaentwicklung beschäftigt, hat am 27. September 2013 ihren 5. Bericht vorgelegt. Seine wesentlichen Aussagen sind:

  1. Die Klimamodelle haben sich weiter verbessert und reproduzieren beobachtete Änderungen der Oberflächentemperatur auf der kontinentalen Skala über mehrere Jahrzehnte, insbesondere die Erwärmung seit 1950.
  2. Die Konzentration der Treibhausgase CO2, Methan und Stickoxide hat sich weiter erhöht und liegt nun höher als in den letzten 800 000 Jahren. Der CO2-Anteil in der Atmosphäre lag 2011 bei 391 ppm (parts per million) im Vergleich zu 280 ppm in der vorindustriellen Zeit (vor 1850). (Inzwischen liegt er bei 400 ppm.)
  3. Das IPCC sieht viele Beweise für eine fortschreitende Erwärmung:
    • In jeder der letzten drei Dekaden war die Erdoberfläche nach und nach wärmer als in jeder vorangegangenen; in den letzten 30 Jahren war es wärmer als in vergleichbaren Zeiträumen seit 1400 Jahren.
    • Die Ozeane haben sich in der oberen Schicht bis 75 m Tiefe in den letzten 40 Jahren um 0,11 ± 0,02 °C erwärmt.
    • Die Eisschichten von Grönland und der Antarktis sowie die Gletscher sind weiter zurückgegangen.
    • Der Meeresspiegel ist seit dem Jahr 1900 im Durchschnitt um 19 ± 2 cm angestiegen.
  4. Das IPCC hat neue Szenarienrechnungen durchgeführt, die hier mit den berechneten CO2-Konzentrationen im Jahr 2100 bezeichnet werden. In der folgenden Tabelle werden auch die Ungenauigkeiten der Modellrechnungen angegeben, die in der politischen Diskussion überhaupt nicht beachtet werden.

    °C
    1850 – 1900
    min – Mitte - max
    1986 – 2005
    min – Mitte - max
    2046 – 2065
    min – Mitte - max
    2081 – 2100
    min – Mitte - max
    Ist
    0,09 – 0,11 – 0,13
    0,55 – 0,61 – 0,67
    421
    0,4 – 1,0 – 1,6
    0,3– 1,0 – 1,7
    538
    0,9 – 1,4 – 2,0
    1,1 – 1,8 – 2,6
    670
    0,8 – 1,3 – 1,8
    1,4 – 2,2 – 3,1
    930
    1,4 – 2,0 – 2,6
    2,6 – 3,7 – 4,8

    Die Mittelwerte liegen etwas niedriger als in den früheren Rechnungen, was die Hoffnung wieder anregt, doch noch die Temperaturerhöhung auf 2 °C begrenzen zu können. Im Szenario 421 kommt die Temperaturerhöhung bei 1 ± 0,6 °C zum Stillstand. Um das zu erreichen dürften bis 2100 nur noch 230 ± 130 GtC (Milliarden Tonnen Kohlenstoff = 3,67 t CO2 in die Atmosphäre gelangen, das bedeutet im Mittel eine jährliche Emission von 2,6 GtC, weniger als ein Drittel des heutigen Werts. Dies entspräche einem Rückgang der Emissionen auf das Niveau der 50er Jahre, in denen das rasante Wachstum des Energieverbrauchs erst begann. Das Szenario 538 entspricht einer leichten Reduktion der heutigen Emissionen auf im Mittel 8,8 GtC, während in den Szenarien 670 jährlich 12 GtC und 930 etwa 19 GtC angenommen werden. Bedenkt man die gegenwärtigen Trends, nach denen bis 2035 noch 80 % des Weltenergieverbrauchs durch fossile Quellen gedeckt werden dürften, dann ist wohl schon die Begrenzung auf 12 GtC pro Jahr, also nur etwa 20 % mehr als die heutige Emission, schon optimistisch. Daran wird auch der Siegeszug des Erdgases aufgrund der neuen unkonventionellen Verfahren (Fracking) wenig ändern, denn dadurch werden die Emissionen zwar verringert, die eigentlich notwendige Entkarbonisierung der Energieversorgung aber auf St. Nimmerlein vertagt.

    Der neue Bericht macht aber auch wieder deutlich, dass die Vorhersagen mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Während unsere Politiker genau zu wissen scheinen, was geschehen müsste, um die Erwärmung auf 2 °C zu begrenzen, kann das im Rahmen der angegebenen Margen der Modellrechnungen in dem weiten Bereich von 500 bis über 800 ppm erfolgen. Daraus kann man – je nach Mentalität – zwei verschiedene Schlussfolgerungen ziehen: man müsste die Anstrengungen um den Klimaschutz noch verstärken, weil es ja viel schneller wärmer werden könnte, oder aber, man könne sich mehr Zeit lassen, weil es ja auch weniger schlimm kommen könne.


Siehe auch

  1. Gibt es wissenschaftlich seriöse Argumente, die gegen eine vom Menschen verursachte Erwärmung des Erdklimas sprechen?
  2. Weitere Artikel finden Sie im Bereich Aspekt Klimagefahren

Eine Langfassung diese Textes ist nicht geplant.
Hier können Sie gratis unseren Newsletter bestellen und sich über neue Antworten auf unserer Webseite informieren lassen.